10. Gartenpolylog-Netzwerk Tagung: “Land in Sicht – Ankommen und tätig werden” – 22.-24.9., Traiskirchen

[via]

Logo

von Freitag 22.09.2017 bis Sonntag 24.09.2017

Heuer findet die 10. Gartenpolylog-Netzwerktagung in Kooperation mit dem Garten der Begegnung, der Gemeinde Traiskirchen, IGOR, dem Gemeinschaftsgarten Bunte Daumen und Natur im Garten statt und widmet sich dem Schwerpunkt Inklusion und Gärtnern mit Menschen mit Fluchterfahrung.
Mit dem Titel “Land in Sicht – Ankommen und tätig werden” wird der Fokus auf die niederschwelligen Möglichkeiten, an einem Gemeinschaftsgarten teilzunehmen gelegt, die ein soziales Wachsen im Garten als Handlungs- und Kommunikationsraum ermöglichen bis dahin, Verantwortung nicht nur für sich, sondern auch für das Projekt zu übernehmen.
Während der Tagung werden Menschen mit Fluchterfahrung, die in Gemeinschaftsgärten tätig sind zu Wort kommen und in inhaltlicher und organisatorischer Form im Tagungsablauf eingebunden sein. Über Partizipation wird nicht nur gesprochen, sondern sie wird wie in den Gärten auch bei der Tagung umgesetzt. Ein Miteinander vor, während und nach der Tagung soll Mut machen und Impulse setzen, in eigenen Gartenprojekten Menschen mit Fluchterfahrung einzubinden.
Teilnahmebeitrag: Normalpreis bei Besuch der 3 Tage 60 € Wenn Dir 60 Euro zu viel sind, zahl bitte einen Dir möglichen Beitrag nach kurzer Rucksprache mit uns. Wenn du den Solidarpreis für ressourcenschwächere Menschen unterstützen möchtest, gib gerne ein bisschen mehr.
Link zur Anmeldung und Detailprogramm:

Ort: Traiskirchen, Niederösterreich

Email: office [at] gartenpolylog.org

 

Advertisements

Projekt “Green Urban Commons” (2013-2016) – Abschlussworkshop des Calls “Public Spaces in Transition”

[via]

Veranstaltungsort:
Aula am Campus Altes AKH, Hof 1
Spitalgasse 2, 1090 Wien

Veranstaltungstermin:
29. September 2017, ganztägig

Veranstaltungsdetails:

In der letzten Ausschreibung für Projekte in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften sowie künstlerischer Forschung wurden 2013 mit Mitteln der Stadt Wien sechs Vorhaben gefördert. Die Projekte sind nun im Abschluss und haben viele interessante Erkenntnisse hervorgebracht.

Die Projekte haben sich mit der Frage des öffentlichen Raumes auf ganz unterschiedliche Weise auseinandergesetzt und demonstrieren damit die Vielfalt der GSK-Forschung in Wien. Einmal geht es um mongolische Artefakte, die im 19. Jahrhundert ihre Reise ins Wiener Weltmuseum angetreten haben, ein anderes Mal geht es um die vielfältigen Formen des Gärtnerns im Wiener städtischen Raum, ein weiteres Mal um transnationale Verkehrsknotenpunkte in Mittel- und Osteuropa an den Waren getauscht werden und sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen bewegen.

Am 29. September 2017 (ganztägig, ab 9:00 Uhr) werden die Projektteams die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten vorstellen und diese mit internationalen ExpertInnen sowie mit dem Publikum diskutieren. Die ExpertInnen kommen aus der Auswahljury für diesen Call und sind Georgina Born (Oxford), Virginie Guiraudon (Paris, SciencePo) und Harald Rohracher (Linköping University).

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Die Veranstaltung wird in englischer Sprache stattfinden.

Downloads:
Flyer [PDF, 212.05 KB]
Workshop Programme [PDF, 134.79 KB]

Anmeldung HIER

Workshop in Wien: Gartensalon “Umkämpftes Grün” – 06.09.2017, 18:00 bis 20:00 – Gartenpolylog

[via]

Urbane Gärten sind aus vielen Städten nicht mehr wegzudenken. Gemeinschaftlicher Gemüseanbau wird dabei oft als rebellischer Akt der Stadtgestaltung von unten verstanden. Gleichzeitig taucht »urban gardening« immer häufiger in Stadtentwicklungsplänen und Werbebroschüren auf. Zwischen Neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten forschen Andrea*s Exner und Isabelle Schützenberger gemeinsam mit anderen zu Raumnutzung, Gemeinschaftsgärten und Verdrängungsprozessen. Ihre Forschungsergebnisse präsentieren sie beim gartensalon im November. Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion Der Gartensalon bietet eine Austauschmöglichkeit für bereits gewachsene und noch in der Aussaat befindliche Projekte und Ideen rund um Gemeinschaftsgärten. Mit dem Gartensalon möchten wir zur Vernetzung beitragen, voneinander lernen, in entspannter Atmosphäre gemeinsam Zeit verbringen, experimentieren, Saatgut&Pflanzen tauschen, Essen&Trinken, Filme anschauen, subversive Pläne für einen kooperativen Wandel schmieden…und Räume für neue Ideen eröffnen!

Ort: Schraubenfabrik, Lilienbrunngasse 18, 1020, Wien

Email: office [at] gartenpolylog.org

 

Rezension Anstiftung zu “Umkämpftes Grün”

[reblogged via anstifung.de]

von Andrea Baier
978383763589858c8853343a94_720x72_20170426-125402_1

Ein spannendes Buch, das die Finger in manche Wunde legt. Andrea Baier bespricht “Umkämpftes Grün. Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten”.

Es sei ein schmaler Grat zwischen gesellschaftlicher Veränderung und Vereinnahmung für das System, urteilt Mitherausgeberin Marit Rosol in ihrem einleitenden Beitrag “Gemeinschaftlich gärtnern in der neoliberalen Stadt?” Urbane Gemeinschaftsgärten könnten auch als Teil einer neuen urbanen Governance fungieren, sie seien nicht eindeutig entweder neoliberaler oder progressiver Stadtpolitik zuzuordnen. Zwar gehe es den einzelnen Projekten durchaus um die Dekommodifizierung öffentlichen Raums, dabei spielten sie aber nicht selten unwillentlich über kommunal angetriebene Gentrifizierung und Imagepolitiken neoliberaler Stadtentwicklung in die Hände (15).
Der jüngst im transcript Verlag erschienene Sammelband “Umkämpftes Grün” geht auf ein Forschungsprojekt am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Wien und eine Konferenz im Oktober 2015 unter dem Titel “Grüne städtische Gemeingüter? Grüne urbane Aktivitäten im öffentlichen Raum – zwischen Aufwertung, Privatisierung, sozialökologischer Transformation und Recht auf Stadt” (ebenfalls in Wien) zurück. Die Perspektive richtet sich entsprechend schwerpunktmäßig, aber nicht ausschließlich, auf Gartenprojekte im deutschsprachigen Raum.
In ihrem kurzen Vorwort umreißen die Herausgeberinnen Sarah Kumnig, Marit Rosol und Andrea*s Exner ihr Anliegen, mit dem Buch zu einer Auseinandersetzung um die widersprüchliche Rolle urbaner Gemeinschaftsgärten in der Neoliberalisierung des Städtischen beitragen zu wollen. Die Beiträge diskutieren “urbanes Gärtnern im Kontext von Kommodifizierung, Aufwertung und Privatisierung städtischer Räume” ebenso “wie im Zusammenhang von Befriedung und Kanalisation politischer Unzufriedenheit, der Aktivierung unbezahlter ehrenamtlicher Arbeit sowie in Bezug auf Ausschlüsse und Exklusivität innerhalb der Gartenprojekte selbst.” (8)
Auch die Vereinnahmung ehrenamtlicher Arbeit und die Auslagerung traditionell staatlicher Verantwortungsbereiche auf zivilgesellschaftliche Organisationen gehört zum Werkzeugkasten neoliberaler Strategie (17). Gemeinschaftsgärten können defizitäre Sozialleistungen auffangen und zu Befriedung wie Einbindung des Dritten Sektors beitragen (18), auch wenn dies im nordamerikanischen Raum sehr viel stärker der Fall ist. Zudem sei zivilgesellschaftliches Engagement mit bestimmten gesellschaftlichen Gruppen und Werten verbunden. In Partizipationsprozessen gewinne eher die Mittelschicht, während die Unterschicht verliere. Die Unterfinanzierung von Gebieten, wo das Engagement fehlt, nimmt womöglich noch zu.
Zur neoliberalen Stadt gehört zudem das Regieren über Gemeinschaft und Technologien des Selbst (19): Gemeinschaft kompensiere dabei nicht (nur) neoliberales Versagen, sondern sei sogar die notwendige Verbindung von einer Regierung des Selbst mit einer Regierung der Bevölkerung (20).

Deutlich optimistischer schätzt Efrat Eizenberg in ihrem Aufsatz “Real existierende Commons: Drei Momente von Raum in Gemeinschaftsgärten in New York City” die Rolle urbaner Landwirtschaft ein. Bezugnehmend auf Henri Lefebvre betont sie, dass jede Transformation des vorherrschenden sozialen Systems mit dem Abbau der Entfremdung des Alltagslebens beginnen muss bzw. mit der Konstituierung einer alternativen gelebten Erfahrung, die vom Gebrauchswert (mehr als vom Tauschwert) bestimmt wird (47).
Und Gemeinschaftsgärten, so ihre Überzeugung, gewähren eine alternative gelebte Erfahrung innerhalb einer modernen urbanen Umwelt: Schon die bloße Idee einer gemeinschaftlichen Hoheit über Raum fordere den gegenwärtigen Alltagsverstand heraus (39). Praktische und diskursive Wissensbestände werden dabei zu kollektiven Ressourcen.
Eizenberg versteht Gemeinschaftsgärten als gegen-hegemoniale Räume, in denen bestehende staatliche und kapitalistische Normen in Frage gestellt und mögliche Gesellschaftskonstellationen erprobt werden.
In Bezug auf die von spanischsprechenden Einwanderinnen geprägten Community Gardens in der South Bronx schildert sie, dass die Reintegration sozio-kultureller Veranstaltungen in das Alltagsleben eine Dekolonisierung und einen Abbau der Entfremdung des Alltagslebens mit sich bringt.
Sie zeigt sich überzeugt, dass die Repräsentationen der Gärten eben keiner neoliberalen Rationalität folgen. Vielmehr entstehe in Gemeinschaftsgärten “kritisches Wissen, … das sich weigert, die Macht anzuerkennen” (48).

Margaret Haderer wiederum fragt in ihrem Beitrag “Recht auf Stadt! Lefebvre, urbaner Aktivismus und kritische Stadtforschung. Eine Rekonstruktion, Interpretation und Kritik” skeptisch nach, ob “Selbstbestimmung” angesichts spätmoderner Subjektivität immer noch als politische Triebkraft (zur politischen Transformation) gelten könne.
Vor dem Hintergrund gegenwärtiger Subjekttheorien meint sie, sei Eizenbergs bzw. Lefebvres implizite Grundannahme, dass sich Subjekte über Partizipation, Selbstverwaltung und räumliche Aneignung ihrer jeweiligen Entfremdungen durch institutionalisierte Stadtpolitik und neoliberale Logiken zumindest teilweise entledigen, kritisch zu hinterfragen.
Statt “alternative urbane Erfahrung” zu ermöglichen und Ausgangspunkt zu sein von im Kollektiv verankerten gesellschaftlichen Gegenentwürfen, könnten urbane Gärten genauso gut als lose verbundene Archipele der Selbstversorgung und der Selbsterfahrung betrachtet werden, die den real existierenden Neoliberalismus nicht herausfordern, sondern dessen integraler Bestandteil sind. Angesichts “flüssiger” (Baumann) oder sich von ihrer Mündigkeit befreienden Subjektivitäten (Blühdorn) gerate “Selbstbestimmung” allzu leicht zu Fremdbestimmung.
Gerade wenn das politisch Mögliche im Sichtfeld bleiben soll, betont Haderer, bedarf es “messerscharfer Analysen” heutiger Bedingungen von gesellschaftlicher Transformation, die insbesondere die Barrieren in den Blick nimmt (74).

Barbara van Dyck, Chiara Tornaghi, Severin Halder, Ella von der Haide und Emma Saunders beobachten in ihrem Aufsatz “Der Aufbau einer Strategieplattform: vom Politisieren urbaner Ernährungsbewegungen zu urbaner politischer Agrarökologie”, dass die Gärten zunehmend Teil des herrschenden Umweltdiskurses der Nachhaltigkeit werden. Sie problematisieren, dass eine gemeinsame Diskussion über Kämpfe urbaner Landwirtschaft, die historisch im »environmentalism of the poor« verankert sind, und ihre Verknüpfung mit politischen Kämpfen wie Recht auf Stadt oder Degrowth in manchen Gärten gerade erst beginnt und vermuten, dass urbane Gärten deshalb leicht “von Mainstream-Diskussionen vereinnahmt und in einen Bestandteil der aufkommenden, herrschenden urbanen ‘grünen‘ kapitalistischen Entwicklung verwandelt” werden können. (89). Den Gärten fehle es an einer kollektiven Identität bzw. an einem gemeinsamen Ziel, sie funktionierten vielmehr oft als Plattform für verschiedene Themen, wie etwa öffentlicher Raum, Migration, Commons, Gemeinschaftsbildung, Therapie und Bildung. Ernährung und Landwirtschaft seien in vielen Fällen nur ein Aspekt in einer Reihe von Themen und es mangele an gemeinsamen Ideen für städtische Veränderung.
Aber lassen sich nicht Vieldeutigkeit und Vielstimmigkeit auch als eine Stärke der Gärten verstehen, die eben nicht auf ein Thema stillzustellen sind? Über die pauschalisierende Einschätzung, dass sich zwischen älteren Interkulturellen und den neuen “stylischen” Gemeinschaftsgärten eine wachsende Spaltung auftut, mag man sich wundern. Empirisch ist nämlich auch das genaue Gegenteil zu beobachten: Urbane Gemeinschaftsgärten werden immer interkultureller bzw. öffnen sich für Menschen im Kontext von Flucht und Migration.
Summa summarum sorgen sich die Autor_innen, die Gärten könnten Opfer ihres eigenen Ruhms werden. Denn das große mediale und wissenschaftliche Interesse, das die Gärten erregen, führte auch dazu, dass sich auch Auto-, Zigaretten- oder Möbelwerbung etc. für sie interessieren. Die Gefahr der Vereinnahmung der Garteninitiativen für Greenwashing-Kampagnen ist allenthalben spürbar. Die Autor_innen meinen, dass der Aufbau einer “wirklichen” organisatorischen Struktur oder kollektiven Identität hier Abhilfe schaffen könnte (92).

Sarah Kumnig befasst sich in ihrem Aufsatz “Zwischen grüner Imageproduktion, partizipativer Politik und Wachstumszwang: urbane Landwirtschaft und Gärten im Kontext neoliberaler Stadtentwicklung in Wien” mit den Auseinandersetzungen um das Donaufeld, einem traditionellen Ort städtischer Gemüseproduktion, der nach dem Willen der politischen Entscheidungsträger einem Wohnprojekt weichen soll. Dabei werden Gemeinschaftsgärten gegen landwirtschaftliche Produktion in Stellung gebracht. Kumnig zeichnet detailliert nach, wie die Einbindung nicht-staatlicher Akteur_innen in (lokal)staatliche Entscheidungsprozesse und Verantwortungsbereiche vor dem Hintergrund der Neoliberalisierung des Städtischen, d.h. einer zunehmend unternehmerischen Stadtpolitik, weniger auf die Stärkung partizipativer Rechte der Bevölkerung hinausläuft als vielmehr auf die Auslagerung staatlicher Verantwortungsbereiche an zivilgesellschaftliche Organisationen. Im konkreten Fall gab es Mitspracherechte, aber keine Entscheidungsbefugnisse. Mitspracherechte ohne Entscheidungsbefugnisse sind letztlich schlechter als keine Mitspracherechte, weil die scheinbare Partizipation fragwürdige politische Entscheidungen legitimiert.

Andrea*s Exner und Isabelle Schützenberger legen in ihrem Beitrag “Der Geschmack am Gärtnern. Gemeinschaftsgärten und soziale Diversität in Wien” den Finger auf einen kritischen Punkt innerhalb der Gärten selbst. Diskurs und Praxis des Gemeinschaftsgartens sind klassenspezifisch. Urbane Gärten, so die Autorinnen, erweisen sich bei näherem Hinsehen als Mittel der Distinktion für Mittelklassen und Gemeinschaftsgärtnern als Ausdruck von (Klassen-)Habitus: Die Identifikation des politisch Richtigen mit dem eigenen Lebensstil bestärke das Gefühl kultureller Überlegenheit derer, die ohnehin schon privilegiert seien (180).
Entsprechend kritisieren sie Urban Gardening als “Politik der Lebensstile”, die eben nicht auf gesellschaftliche Veränderungen in Richtung eines Abbaus sozialer Ungleichheit ziele. Anhand der Untersuchung von sechs Gemeinschaftsgärten in Wien kommen sie zu der Einschätzung: Gartenprojekte sind wenig(er) divers als gedacht (161). Sie neigen zu sozialer Schließung. Sie diskursiv herzustellen, sei “die Angelegenheit von Intellektuellen” oder jedenfalls von Personen mit dem entsprechenden kulturellen Kapital. Gemeinschaftsgärten, so der Befund der Untersuchung, werden von Angehörigen der Mittelschicht dominiert. Das sei nicht das Ergebnis formeller oder sichtbarer Ausschlussmechanismen. Vielmehr funktioniere die Politik der Lebensstile bzw. die klassenspezifische Aneignung von öffentlichem Raum über den Aufbau symbolischer Schwellen.
Dass gemeinhin mit niedrigem Status assoziierte Subsistenzpraktiken in Gemeinschaftsgärten zu neuen Ehren kommen, deuten die Autor_innen als weiteren Beweis für ihre These, dass in den Gärten diejenigen über die Diskursmacht verfügen, die sie in der Gesellschaft auch ansonsten innehaben, denn: Die hohe Statusposition erweise sich gerade in der Macht zu definieren, was zu einem gegebenen Zeitpunkt als richtig oder falsch bzw. als guter Geschmack gelte (178).
Exner/Schützenberger lassen letztlich offen, ob man es bei den Gemeinschaftsgärten mit politischen Rationalitäten in Hinblick auf gesamtgesellschaftliche Verbesserungen zu tun hat oder mit einer Politik des Lebensstils (in Hinblick auf Distinktionsgewinne beispielsweise durch Aneignung von öffentlichem Raum).
Auch wenn man sich ein genaueres Hinsehen auf die inklusiv wirkende Subsistenzpraxis in den Gärten durch den Austausch von Fähigkeiten, Produkten und Kenntnissen gewünscht hätte: Der Befund ist unbedingt ernst zu nehmen und im Übrigen nicht zu bezweifeln. Was sie bemängeln, betrifft dabei allerdings nicht die Politik der urbanen Gärten allein. Vielmehr weisen Sozialwissenschaftler_innen seit geraumer Zeit darauf hin, dass sich durch die Ausbreitung von Partizipation (zumal als Governance-Strategie) eine deutliche Verschiebung zugunsten der politischen Einflussnahme bürgerlicher Schichten ergeben hat. Dass sich in den Gemeinschaftsgärten die gesellschaftlichen Machtverhältnisse spiegeln, ist insofern kaum erstaunlich. Erstaunlicher ist, dass sie hier auch oft unterlaufen werden, auch dafür lassen sich vielfältig Beispiele anführen. Letztlich sind die Hemmschwellen, an einem urbanen Garten zu partizipieren, eben doch geringer, als sich z.B. an der Planung eines Stadtquartiers zu beteiligen. Im Berliner Allmende-Kontor sind jedenfalls auch nicht-deutschstämmige Anwohner_innen des Tempelhofer Felds mit von der Partie.

Eine weitere bedenkliche Entwicklung beschreibt Marion Ernwein in ihrem Aufsatz “Gemeinschaftsgärten und freiwillige Umweltarbeit – Die Aushandlung von Stellenwert und Bedeutung der Bürger_innenbeteiligung in der Herstellung von Grünraum”. Sie stellt dar, wie die Aufnahme von urbanem Gärtnern in kommunale Programme in Genf erstens zu Verdrängung von sogenannten Familiengärten (vergleichbar mit deutschen Schrebergärten) sowie zweitens zur Ausdünnung staatlicher Verantwortung und Aktivierung von “Freiwilligenarbeit” führt. Gemeinschaftsgärten werden inzwischen bevorzugt gefördert, weil sie platzsparender sind. Dabei werden verschiedene, gerne auch ökologische, Kritiken an den Familiengärten mobilisiert, um den politischen Schwenk zu legitimieren. Dass auch bei dieser Politik die Mittelklasse gegenüber der Arbeiterklasse gewinnt, liegt auf der Hand. Während die Sozialabteilung zunehmend also Gemeinschaftsgärten favorisiert, hat die Grünraumabteilung weiter Vorbehalte und sinnt auf andere Formen der Bürger_innenbeteiligung. Das Engagement im Gemeinschaftsgarten könne nicht als Freiwilligenarbeit gewertet werden: Die machten nur was für sich, heißt es im Amt, nicht für die Allgemeinheit. Hier setzt man eher auf die Aktivierung freiwilligen Engagements bei der Parkpflege. Die zugehörigen Diskurse denunzieren Bürger_innen als “Nur-Komsumierende”, deren Einstellung zu staatlichen Leistungen sich verändern müsse.
Ernwein zeigt, wie sich sukzessive eine neue Auffassung im Verhältnis Staat/Bürger über nationale Grenzen hinweg (hier: durch den Austausch Schweizer Beamten mit ihren Kollegen in den USA) etabliert. Insofern fasst die Autorin Freiwilligenarbeit als eine Technologie von Regierung, die Bürger_innen dazu bringt, ihre Rollen und Beziehungen mit dem Staat neu zu definieren.
Mit der Transformation von Bürger_innen zu Parkpflegenden geht die Produktion neuer Subjektivitäten entsprechend neoliberaler Ideale von Selbstverantwortung einher: Die Bürger dürfen sich an der Arbeit, aber nicht an Entscheidungsprozessen beteiligen.

Martin Sondermann entwickelt in seinem Beitrag “Gemeinschaftsgärten, Gemeinwohl und Gerechtigkeit im Spiegel lokaler Planungskulturen” einen weniger pessimistischen Blick auf die Zusammenarbeit von Aktivist_innen mit lokalen Behörden. Ihn beschäftigt die Frage, inwieweit urbane Gärten als grüne Gemeinschaftsgüter fungieren und dem Gemeinwohl dienen können. Es geht um das Problem der eingeschränkten Zugänglichkeit und Nutzbarkeit (211) bei Club- und  Gemeingütern, das auch urbane Gartenprojekte betrifft. Gemeinschaftsgärten seien, so Sondermann, als Kontinuum zwischen privat und öffentlich, marktwirtschaftlich und staatlich zu sehen (212). Bezugnehmend auf Düsseldorf und Hannover, beides Städte, in denen die zuständigen politischen Gremien und Verwaltungen Gemeinschaftsgärten gegenüber positiv eingestellt sind und sich grundsätzlich in offenen und unterstützenden Haltungen üben, schildert er, wie städtische Beamt_innen darüber wachen, dass keine Vertreibung unliebsamer Nutzergruppen erfolgt – der Klassiker sind hier Konflikte mit Alkoholikern und/oder Obdachlosen – und sich dafür zuständig fühlen, »verbindliche Regelungen über die Befristung« auszuhandeln, um eine Privatisierung öffentlicher Räume zu vermeiden (220).
Sein Beitrag regt dazu an, die Frage um den öffentlichen Raum auch von Seiten der urbanen Gärtner_innen noch gründlicher zu durchdenken.

Alexander Follmann und Valérie Viehoff berichten in ihrem Beitrag “Das Politische eines Gemeinschaftsgartens – NeuLand in Köln als Experimentierort für urban commoning?” sowohl aus der Innenperspektive (Alexander Follmann) als auch aus der Außenperspektive (Valérie Viehoff) von fünf Jahren Gemeinschaftsgartenprojekt NeuLand in Köln.
Es geht um die Rekapitulation der Ausgangslage des Projekts und die Reflexion, an welchem Punkt man heute steht.
NeuLand verstand sich von Anfang an als »political gardening«. Mit dem Garten sollte sowohl ein politischer Akteur geschaffen werden, der sich in die Stadtpolitik einzumischen gedachte, als auch eine “real existierende Allmende”. Dabei sahen sich die Aktivist_innen gleich mit dem Konflikt konfrontiert, zwar einen offenen und integrativen Raum schaffen zu wollen, aber auch Eingrenzungen vornehmen zu müssen. Darüber hinaus, so die Autorinnen, ergeben sich Konflikte aus den vielfältigen Berührungspunkten der real existierenden Allmende NeuLand mit den nach neoliberalen Prinzipien organisierten rechtlichen, sozialen und stadtplanerischen Rahmenbedingungen (244).
Die soziale bzw. die Klassenfrage begegnete den Neuländern schließlich bei der Vergabe der Beete: Angetreten waren sie mit dem Anspruch, alle Beete des Gartens gemeinsam bewirtschaften zu wollen, gemäß ihres politischen Statements, dass eine andere Stadt, dass eine Allmende möglich sei. Nachdem die Pflege der Beete jedoch gemeinschaftlich nicht mehr zu bewerkstelligen war, votierten sie nach heftigen Debatten für die Vergabe von “Privatbeeten”, allerdings unter der Maßgabe, dass jede Beetbetreiberin sich zusätzlich zu ihrem eigenen um ein Gemeinschaftsbeet kümmern müsste. Es zeigte sich, dass diese Regelung dem Gemeinschaftsgarten ganz neue Mitglieder bescherte. Plötzlich beteiligen sich mehr Anwohner_innen und mehr Menschen mit Migrationshintergrund an der Gartengemeinschaft. Das Commoning-Prinzip hatte vorher also unbemerkt und unbeabsichtigt zu Ausschluss geführt, es hatte sich den – nicht dem Bildungsbürgertum zugehörigen – Anwohner_innen nicht vermittelt. Die Aufgabe eines hehren Prinzips – und Abstriche an der Allmende zu machen – führte in der Realität zu mehr Beteiligung und also in gewissem Sinne zu mehr Allmende. Dieses verblüffende Ergebnis gibt in der Tat zu denken.
Wie sie ihre Kritik an der kapitalistisch-neoliberalen Verwertungslogik (in Form von Grundstücksspekulation), die der Ausgangspunkt für die Gartengründung war, in die Planung eines Stadtentwicklungsprojekts einbringen, ist eine andere spannende Geschichte, die im Buch erzählt, hier aber nicht verraten wird.
Trotz der im Beitrag beschriebenen Widersprüche – in die man gerät, wenn man eine “realexistierende Allmende” in der neoliberalen Stadt schaffen will – kommen die Autor_innen insgesamt zu einem positiven Fazit: Da sich die Allmende jenseits von Markt und Staat verorte, biete sie eine neue Perspektive für ein Raumverständnis und die Organisation städtischer Räume jenseits der Dichotomie öffentlich/privat (236).
Und: Explizit politische Urban Gardening-Initiativen könnten die für post-demokratische Gesellschaften als typisch beschriebenen informellen Arrangements zwischen (Stadt-)Regierungen und wirtschaftlichen und politischen Eliten konterkarieren und kreativ neue Akteure schaffen, die versuchen, existierende Hegemonien zu demontieren und eine neue, gegen-hegemoniale Vorstellung von Stadt zu entwickeln (254).
Und: Gartenprojekte wie NeuLand zeigten, dass es möglich und notwendig sei, Commons als Alternative zur derzeitigen hegemonialen, neoliberalen, post-demokratischen Stadt(-Planung) zu denken und mit ihnen zu experimentieren, um eine gerechtere, grünere und nachhaltigere Stadt zu schaffen (255).

Fazit
Insbesondere der letzte Beitrag, wie das Buch insgesamt, bietet einen spannenden Einblick in die Gegenwart des Phänomens Urban Gardening. Die Bewegung wächst aus ihren Kinderschuhen heraus und wagt selbstbewusst selbstkritische Blicke auf die eigene Praxis. Die Diskussionen, der kritische Blick auf sich selbst, macht deutlich, hier reflektieren Aktivist_innen ihre Praxis. Sie thematisieren die Schwierigkeiten, widerständig zu bleiben in einer Umgebung, die sich jeden Widerstand sofort anzueignen sucht; und zwar nicht dadurch, dass sie ihn zerstört, sondern indem sie ihn schlicht verdreht. Sie blicken auf die eigenen blinden Flecke, wie sich unversehens Ausschlüsse entlang der sozialen Lage einschleichen, die man nicht bemerkt (NeuLand) oder auch billigend in Kauf nimmt, weil die Auseinandersetzungen mit Randgruppen auch anstrengend sind. Die Perspektive aus der Innensicht einer Bewegung bzw. aus interessierter und informierter Perspektive kommt erfahrungsgesättigt daher. Die Autor_innen sind fast alle nah an ihrem Gegenstand, sie wissen, wovon sie sprechen, sie sprechen aus Erfahrung, verstehen es aber auch, immer wieder Abstand zu gewinnen. Sie thematisieren die Ambivalenzen, um besser mit ihnen umgehen zu können. Sie ringen um Wege, sich nicht vereinnahmen zu lassen von der neoliberalen Stadt. Sie wissen, dass die Gefahr der Vereinnahmung groß ist und versuchen sie zu bannen, indem sie sie offenlegen, sie reden sie nicht klein. Sie thematisieren die Widersprüche ihrer Praxis, die Widersprüche, mit denen sie umgehen müssen, in denen sie sich bewegen. Es ist ein spannendes Buch, das die Finger in manche Wunde legt. Insbesondere ist spannend, wie die einzelnen Beiträge explizit oder implizit aufeinander Bezug nehmen, aufeinander antworten, sich mitunter auch widersprechen. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist, dass hier verschiedene Perspektiven versammelt wurden. Dass man in diesem Buch verhältnismäßig wenig von den Potentialen urbaner Gemeinschaftsgärten erfährt, verdankt sich der erklärten Absicht der Herausgeber_innen, einen kritischen Blick auf die Projekte und ihre Umgebungen werfen zu wollen. Eine genaue Analyse der Prozesse neoliberaler Vereinnahmung als ein notwendig ambivalentes Geschehen im Kapitalismus, und damit eine Antwort auf die Frage, wie nicht-kapitalistische Formen verteidigt werden können, halten jedoch auch sie nicht bereit.
Manche Dinge hätte man gerne noch genauer gewusst, beispielsweise welche Projekte wohl gemeint sind, wenn von “stylischen Gärten” die Rede ist, die eine Vereinnahmung leichter ermöglichen als andere. Oder inwiefern sich die Spaltung zwischen den älteren Interkulturellen Gärten einerseits und neuen “stylischen” Gärten verschärft? Sollte diese Spaltung tatsächlich existieren, wäre sie einer genaueren Betrachtung doch eigentlich wert gewesen.
Alles in allem: ein spannendes Buch, ein wichtiges Buch, zum Lesen unbedingt zu empfehlen!

Sarah Kumnig / Marit Rosol / Andrea*s Exner (Hg.) (2017):
Umkämpftes Grün. Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten.
268 Seiten, kart., zahlr. Abb., erschienen in der Reihe Urban Studies, transcript Verlag
ISBN 978-3-8376-3589-8, EUR 29,99
http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3589-8/umkaempftes-gruen

Buchvorstellung “Umkämpftes Grün” in Graz, 13. 6. 2017

Umkämpftes Grün – Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten

Buchvorstellung + Diskussion

Dienstag, 13.6.2017 | 19Uhr | Stadtbibliothek Nord (Theodor Körner Straße 59, 8010 Graz | Straßenbahnhaltstelle Hasnerplatz

Urbane Gärten sind aus vielen Städten nicht mehr wegzudenken. Gemeinschaftlicher Gemüseanbau wird dabei oft als rebellischer Akt der Stadtgestaltung von unten verstanden. Gleichzeitig taucht »urban gardening« immer häufiger in Stadtentwicklungsplänen und Werbebroschüren auf.
Der Sammelband liefert eine kritische Analyse grüner urbaner Aktivitäten und ihrer umkämpften und widersprüchlichen Rolle in aktuellen Prozessen der Neoliberalisierung des Städtischen.

Zu diesen Themen diskutieren:
* Sarah Kumnig (forscht und lehrt an der Universität Wien zu neoliberaler Stadtentwicklung, urbaner Landwirtschaft, Wohnpolitik und Urban Citizenship)
* Tamara Ussner (Verein Seed; Gemeinderätin in Graz)
* Elisabeth Hufnagl (Forum Urbanes Gärtnern, Stadtteilzentrum Triester) (angefragt)

Moderation: David Steinwender (Forum Urbanes Gärtnern, Transition Graz)

Eine Kooperationsveranstaltung von: Forum Urbanes Gärtnern, Transition Graz, Südwind Steiermark, SEED Kollektiv, Arbeitskreis Ernährungssouveränität (AKES Graz/Steiermark), Crossroads Festival.
Mit herzlichen Dank an die Stadtbibliothek Nord für die Räumlichkeiten.

https://www.facebook.com/events/169060470291813/

Buchvorstellung: “Umkämpftes Grün” – 12. Juni 2017, Wien

Pro und contra – aktuelle Sachbücher im Gespräch

Montag, 12. Juni 2017, 19:00 Uhr bis 20:30 Uhr
Hauptbücherei am Gürtel, 1070 Urban-Loritz-Platz 2a

Sarah Kumnig, Marit Rosol, Andrea*s Exner (Hg.): Umkämpfes Grün. Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten (transcript)

Buchcover von Umkämpftes Grün © transcript_UrbanStudies

Podiumsdiskussion mit Andrea*s Exner, Sarah Kumnig, Bettina Köhler (Universität Wien) und Cordula Fötsch (Gartenpolylog)

Moderation: Elke Rauth (dérive. Zeitschrift für Stadtforschung).

Urbane Gärten sind aus vielen Städten nicht mehr wegzudenken. Gemeinschaftlicher Gemüseanbau wird dabei oft als rebellischer Akt der Stadtgestaltung von unten verstanden. Gleichzeitig taucht »urban gardening« immer häufiger in Stadtentwicklungsplänen und Werbebroschüren auf. Der Sammelband liefert eine kritische Analyse grüner urbaner Aktivitäten und ihrer umkämpften und widersprüchlichen Rolle in aktuellen Prozessen der Neoliberalisierung des Städtischen.

Mit den Herausgeber_innen diskutieren die Stadtforscherin Bettina Köhler und Cordula Fötsch vom Verein Gartenpolylog über das neuerschienene Buch und aktuelle Prozesse in der Wiener Stadtentwicklung.

Sarah Kumnig forscht und lehrt an der Universität Wien zu neoliberaler Stadtentwicklung, urbaner Landwirtschaft, Wohnpolitik und Urban Citizenship.
Andrea*s Exner studierte Ökologie und arbeitet an einer Dissertation in Politikwissenschaft.

Neu-Erscheinung: “Umkämpftes Grün”

Umkämpftes GrünIm Verlag Transcript ist soeben das Buch “Umkämpftes Grün. Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten” erschienen, das Sarah Kumnig, Marit Rosol und Andrea*s Exner herausgeben. Es ist aus unserer Konferenz zu Green Urban Commons in Wien 2016 entstanden.

Aus dem Klappentext:

Urbane Gärten sind aus vielen Städten nicht mehr wegzudenken. Gemeinschaftlicher Gemüseanbau wird dabei oft als rebellischer Akt der Stadtgestaltung von unten verstanden. Gleichzeitig taucht »urban gardening« immer häufiger in Stadtentwicklungsplänen und Werbebroschüren auf.

Die Beiträger_innen des Bandes liefern eine kritische Analyse grüner urbaner Aktivitäten und ihrer umkämpften und widersprüchlichen Rolle in aktuellen Prozessen der Neoliberalisierung des Städtischen.

Out now: Unser Beitrag zu urbaner Landwirtschaft in Wien für den Sammelband “Gesellschaft im Wandel”

cover-sammelband

Der Sammelband “Gesellschaft im Wandel”, herausgegeben von Judith Fritz und Nino Tomaschek, enthält einen Beitrag der Green Urban Commons Forschungsgruppe mit dem Titel “Stadtentwicklung, urbane Landwirtschaft und
zivilgesellschaftlich gestalteter Grünraum in Wien”.

Gesellschaft im Wandel Gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Perspektiven von Judith Fritz, Nino Tomaschek (Hrsg.),University – Society – Industry, Band 5, 2016, 264 Seiten, br., mit einigen Abbildungen, Buch: 34,90 €, ISBN 978-3-8309-3465-3, E-Book: 30,99€, ISBN 978-3-8309-8465-8

 

 

Aus der Einleitung des Beitrags:

Der Diskurs über die Stadtentwicklung in Wien wird vom Wachstum der Stadt geprägt. Dieses gilt als nicht beeinflussbare, d.h. vorgegebene Entwicklung, die zudem positiv sei, aber auch große Herausforderungen impliziere. Auf diese Leitvorstellung werden fast alle Ziele der Stadtentwicklung hin ausgerichtet, wie unter anderem der 2014 vom Wiener Gemeinderat beschlossene Stadtentwicklungsplan illustriert (MA 18, 2014a).

Das Wachstum der Stadt wird in Wien als ein gesellschaftliches Allgemeininteresse konstruiert. Wachstum wird zum einen als ein Sachzwang dargestellt, zum anderen als ein Zeichen für eine erfolgreiche Stadtentwicklung. So werden grundlegende Fragen der Stadtentwicklung Auseinandersetzungen um die politische Gestaltung von Stadt entzogen. Dem gegenüber geht unser Artikel der Frage nach, wie dieses vermeintliche Allgemeininteresse gesellschaftlich konstruiert wurde bzw. wird und unter welchen politischen und ökonomischen Bedingungen sich das Wachstum der Stadt ergibt.

In den gegenwärtigen Strategien zur Entwicklung der Stadt Wien spielen ökologische Aspekte eine prominente Rolle. Diese werden als Teil einer „ökologischen Modernisierung“ gedacht und ordnen sich tendenziell den Wachstums- und Entwicklungsimperativen unter. Konflikte werden darin kaum beleuchtet sowie Macht und Herrschaft nicht offen reflektiert.

Im Rahmen des vom Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds (WWTF) von 2013 bis 2016 geförderten Forschungsprojekts „Green Urban Commons“, das am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien angesiedelt ist, haben wir vor allem zivilgesellschaftlich gestalteten Grünraum in Wien untersucht, der verschiedene Formen von gemeinschaftlichem Gärtnern, kollektive Landwirtschaftsprojekte, Selbsterntefelder und die Begrünung von Baumscheiben umfasst. In diesem Artikel wollen wir den Kontext dieser Initiativen analysieren. Dabei werden wir insbesondere die Widersprüchlichkeit und Umkämpftheit von Stadtentwicklung sowie den Einfluss von Macht und Herrschaft darstellen.

Der Sammelband vereint eine Reihe spannender Beiträge von an der Universität Wien forschenden Menschen. Hier eine Kurzbeschreibung von der Website des Verlags Waxmann:

Gesellschaften wandeln sich – in sozialer, politischer wie ökonomischer Hinsicht. Es besteht kein Zweifel daran, dass sich diese Wandlungsprozesse in den vergangenen Jahrzehnten beschleunigt und tiefgreifende Veränderungen mit sich gebracht haben. Schlagworte wie Individualisierung, Globalisierung oder digitale Revolution stellen das gesellschaftliche Miteinander vor große Herausforderungen, bieten jedoch zugleich Potenzial für die Weiterentwicklung von Gesellschaften. Lebensstile werden vielfältiger, Bildungschancen gerechter und die Altersspanne jener Personen, die aktiv im beruflichen oder zivilgesellschaftlichen Leben stehen, größer. Zugleich sind stagnierendes Wirtschaftswachstum, Klimawandel und wachsende soziale Polarisierung brisante Problemlagen, zu deren Bewältigung wirksame Maßnahmen gefunden werden müssen. Der fünfte Band der Reihe „University – Society – Industry“ beleuchtet diese Wandlungsprozesse in 17 Beiträgen aus interdisziplinären Blickwinkeln und gibt Denkanstöße, um sich den Veränderungen zu stellen.

 

Green Urban Commons bei “University Meets Public”, Mo., 10. Okt. 2016

„University Meets Public“- Forschung zum Angreifen

Eintauchen in die Welt der Forschung mit ForscherInnen und Projekten der Universität Wien, MedUni Wien, TU Wien, FH Campus Wien, FHWien der WKW, FH Technikum

Montag 10. Oktober 2016, 17:00 – 20:00 Uhr
Dachsaal der Wiener Urania

17:00 Uhr Eröffnung durch Wohnbaustadtrat und VHS Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Ludwig
17:15-19:00 Uhr Präsentationen der Forschungsprojekte
19:00-20:00 Uhr Offener Dialograum und Buffet

Im Dachsaal der Wiener Urania werden spannende und praxisnahe Forschungsprojekte aller beteiligten Hochschulen präsentiert. BesucherInnen können von Station zu Station wandern und haben die Möglichkeit Forschungsprojekte zu erkunden und sich mit den WissenschafterInnen über ihre Arbeit bzw. Ergebnisse auszutauschen. Den Abschluss bildet ein Get Together mit Snacks und Getränken.

Eintritt frei! Infos und Anmeldung unter science@vhs.at oder online unter http://www.vhs.at


Die einzelnen Projekte:


Medizinische Universität Wien

  • Molekulare Einblicke in die Entstehung und Funktion von T Lymphozyten: Univ. Prof. Mag. Dr. Wilfried Ellmeier, Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Allergieforschung, Institut für Immunologie
  • Grundlagenforschung des Lungenhochdrucks: Dr. Max-Paul Winter, Universitätsklinik für Innere Medizin II, Klinische Abteilung für Kardiologie

Technische Universität Wien

  • SQUIRREL – Kinderzimmeraufräumroboter: Dipl.-Ing. Dr.techn. Michael Zillich, Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik

FH Campus Wien

  • Bewegungslabor: Analyse von Alltagsbewegungen: Klaus Widhalm, MSc, Fachbereich Physiotherapie
  • Smarte Datenbrille für Medikamenteneinnahme: Ing. Gernot Korak, BSc MSc & Bernhard Taufner, Fachbereich High Tech Manufacturing
  • Formula Student OS.Car Racing Team: Harald Frey, BSc, Leiter des Racing Teams, FH Campus Wien

FHWien der WKW

  • Kleine und Mittlere Unternehmen als Weltverbesserer? Stadt Wien Kompetenzteam für nachhaltiges, strategisches und chancenorientiertes Management von KMU; Mag.a Dr.in Daniela Ortiz Avram, Center for Corporate Governance & Business Ethics
  • KMU in Veränderung – Diagnose und Förderung der strategischen Veränderungsfähigkeit von kleinen und mittelständischen Unternehmen: FH-Prof.in Dr.in Christina Schweiger, Senior Forscherin Kompetenzteam Entrepreneurship / Bereichsleiterin Entrepreneurship, FH-Prof.in Dr.in Barbara Kump, Stadt Wien Stiftungsprofessur für Forschung im Bereich Organisationsentwicklung und lernende Organisation

Universität Wien

  • Wie ÖsterreicherInnen gemacht werden: Zur diskursiven Konstruktion österreichischer Identität/en: o. Univ.-Prof.in i.R. Dr.in Ruth Wodak, Dr. Markus Rheindorf, A.o. Univ. Prof. Mag. Dr. Rudolf de Cillia, Sabine Lehner, BA MA, Institut für Sprachwissenschaft
  • Grüne städtische Gemeingüter: Univ.-Prof. Dr. Ulrich Brand, Mag.a Isabelle Schützenberger, BSc, Dr. Andrea*s Exner, Institut für Politikwissenschaft

FH Technikum

  • Auge und Lunge – Künstliche Organmodelle im Labor: Dipl.-Ing. Lukas Traxler, BSc, Institut Biomedical, Health and Sports Engineering
  • Aufbau eines europäischen Smart City Netzwerks: Darya Bululukova, MSc, Institut Information Engineering & Security

Veranstaltung der VHS Wien in Kooperation mit dem Postgraduate Center Universität Wien, sowie MedUni Wien, TU Wien, FH Campus Wien, FHWien der WKW, FH Technikum

Die Stadt frisst ihre Äcker – Beitrag im Presse-Spectrum

Peter A. Krobath, Sarah Kumnig und Andrea*s Exner haben in der aktuellen Beilage “Spectrum” der Tageszeitung “Die Presse” einen Artikel zur Situation der städtischen Landwirtschaft und des urbanen Gartenbaus in Wien veröffentlicht.

Link zum Artikel hier.

Einleitung:

Wir brauchen städtische Landwirtschaft für Nahversorgung wie für ökologische Ziele. Doch die Produktion von Gemüse wird in Wien zunehmend durch eine PR-Produktion von Gemüsegartenbildern abgelöst. Über Urban Gardening, Donaufeld, Haschahof – und darüber, was das eine mit den anderen zu tun hat.