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Rezension Anstiftung zu “Umkämpftes Grün”

[reblogged via anstifung.de]

von Andrea Baier
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Ein spannendes Buch, das die Finger in manche Wunde legt. Andrea Baier bespricht “Umkämpftes Grün. Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten”.

Es sei ein schmaler Grat zwischen gesellschaftlicher Veränderung und Vereinnahmung für das System, urteilt Mitherausgeberin Marit Rosol in ihrem einleitenden Beitrag “Gemeinschaftlich gärtnern in der neoliberalen Stadt?” Urbane Gemeinschaftsgärten könnten auch als Teil einer neuen urbanen Governance fungieren, sie seien nicht eindeutig entweder neoliberaler oder progressiver Stadtpolitik zuzuordnen. Zwar gehe es den einzelnen Projekten durchaus um die Dekommodifizierung öffentlichen Raums, dabei spielten sie aber nicht selten unwillentlich über kommunal angetriebene Gentrifizierung und Imagepolitiken neoliberaler Stadtentwicklung in die Hände (15).
Der jüngst im transcript Verlag erschienene Sammelband “Umkämpftes Grün” geht auf ein Forschungsprojekt am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Wien und eine Konferenz im Oktober 2015 unter dem Titel “Grüne städtische Gemeingüter? Grüne urbane Aktivitäten im öffentlichen Raum – zwischen Aufwertung, Privatisierung, sozialökologischer Transformation und Recht auf Stadt” (ebenfalls in Wien) zurück. Die Perspektive richtet sich entsprechend schwerpunktmäßig, aber nicht ausschließlich, auf Gartenprojekte im deutschsprachigen Raum.
In ihrem kurzen Vorwort umreißen die Herausgeberinnen Sarah Kumnig, Marit Rosol und Andrea*s Exner ihr Anliegen, mit dem Buch zu einer Auseinandersetzung um die widersprüchliche Rolle urbaner Gemeinschaftsgärten in der Neoliberalisierung des Städtischen beitragen zu wollen. Die Beiträge diskutieren “urbanes Gärtnern im Kontext von Kommodifizierung, Aufwertung und Privatisierung städtischer Räume” ebenso “wie im Zusammenhang von Befriedung und Kanalisation politischer Unzufriedenheit, der Aktivierung unbezahlter ehrenamtlicher Arbeit sowie in Bezug auf Ausschlüsse und Exklusivität innerhalb der Gartenprojekte selbst.” (8)
Auch die Vereinnahmung ehrenamtlicher Arbeit und die Auslagerung traditionell staatlicher Verantwortungsbereiche auf zivilgesellschaftliche Organisationen gehört zum Werkzeugkasten neoliberaler Strategie (17). Gemeinschaftsgärten können defizitäre Sozialleistungen auffangen und zu Befriedung wie Einbindung des Dritten Sektors beitragen (18), auch wenn dies im nordamerikanischen Raum sehr viel stärker der Fall ist. Zudem sei zivilgesellschaftliches Engagement mit bestimmten gesellschaftlichen Gruppen und Werten verbunden. In Partizipationsprozessen gewinne eher die Mittelschicht, während die Unterschicht verliere. Die Unterfinanzierung von Gebieten, wo das Engagement fehlt, nimmt womöglich noch zu.
Zur neoliberalen Stadt gehört zudem das Regieren über Gemeinschaft und Technologien des Selbst (19): Gemeinschaft kompensiere dabei nicht (nur) neoliberales Versagen, sondern sei sogar die notwendige Verbindung von einer Regierung des Selbst mit einer Regierung der Bevölkerung (20).

Deutlich optimistischer schätzt Efrat Eizenberg in ihrem Aufsatz “Real existierende Commons: Drei Momente von Raum in Gemeinschaftsgärten in New York City” die Rolle urbaner Landwirtschaft ein. Bezugnehmend auf Henri Lefebvre betont sie, dass jede Transformation des vorherrschenden sozialen Systems mit dem Abbau der Entfremdung des Alltagslebens beginnen muss bzw. mit der Konstituierung einer alternativen gelebten Erfahrung, die vom Gebrauchswert (mehr als vom Tauschwert) bestimmt wird (47).
Und Gemeinschaftsgärten, so ihre Überzeugung, gewähren eine alternative gelebte Erfahrung innerhalb einer modernen urbanen Umwelt: Schon die bloße Idee einer gemeinschaftlichen Hoheit über Raum fordere den gegenwärtigen Alltagsverstand heraus (39). Praktische und diskursive Wissensbestände werden dabei zu kollektiven Ressourcen.
Eizenberg versteht Gemeinschaftsgärten als gegen-hegemoniale Räume, in denen bestehende staatliche und kapitalistische Normen in Frage gestellt und mögliche Gesellschaftskonstellationen erprobt werden.
In Bezug auf die von spanischsprechenden Einwanderinnen geprägten Community Gardens in der South Bronx schildert sie, dass die Reintegration sozio-kultureller Veranstaltungen in das Alltagsleben eine Dekolonisierung und einen Abbau der Entfremdung des Alltagslebens mit sich bringt.
Sie zeigt sich überzeugt, dass die Repräsentationen der Gärten eben keiner neoliberalen Rationalität folgen. Vielmehr entstehe in Gemeinschaftsgärten “kritisches Wissen, … das sich weigert, die Macht anzuerkennen” (48).

Margaret Haderer wiederum fragt in ihrem Beitrag “Recht auf Stadt! Lefebvre, urbaner Aktivismus und kritische Stadtforschung. Eine Rekonstruktion, Interpretation und Kritik” skeptisch nach, ob “Selbstbestimmung” angesichts spätmoderner Subjektivität immer noch als politische Triebkraft (zur politischen Transformation) gelten könne.
Vor dem Hintergrund gegenwärtiger Subjekttheorien meint sie, sei Eizenbergs bzw. Lefebvres implizite Grundannahme, dass sich Subjekte über Partizipation, Selbstverwaltung und räumliche Aneignung ihrer jeweiligen Entfremdungen durch institutionalisierte Stadtpolitik und neoliberale Logiken zumindest teilweise entledigen, kritisch zu hinterfragen.
Statt “alternative urbane Erfahrung” zu ermöglichen und Ausgangspunkt zu sein von im Kollektiv verankerten gesellschaftlichen Gegenentwürfen, könnten urbane Gärten genauso gut als lose verbundene Archipele der Selbstversorgung und der Selbsterfahrung betrachtet werden, die den real existierenden Neoliberalismus nicht herausfordern, sondern dessen integraler Bestandteil sind. Angesichts “flüssiger” (Baumann) oder sich von ihrer Mündigkeit befreienden Subjektivitäten (Blühdorn) gerate “Selbstbestimmung” allzu leicht zu Fremdbestimmung.
Gerade wenn das politisch Mögliche im Sichtfeld bleiben soll, betont Haderer, bedarf es “messerscharfer Analysen” heutiger Bedingungen von gesellschaftlicher Transformation, die insbesondere die Barrieren in den Blick nimmt (74).

Barbara van Dyck, Chiara Tornaghi, Severin Halder, Ella von der Haide und Emma Saunders beobachten in ihrem Aufsatz “Der Aufbau einer Strategieplattform: vom Politisieren urbaner Ernährungsbewegungen zu urbaner politischer Agrarökologie”, dass die Gärten zunehmend Teil des herrschenden Umweltdiskurses der Nachhaltigkeit werden. Sie problematisieren, dass eine gemeinsame Diskussion über Kämpfe urbaner Landwirtschaft, die historisch im »environmentalism of the poor« verankert sind, und ihre Verknüpfung mit politischen Kämpfen wie Recht auf Stadt oder Degrowth in manchen Gärten gerade erst beginnt und vermuten, dass urbane Gärten deshalb leicht “von Mainstream-Diskussionen vereinnahmt und in einen Bestandteil der aufkommenden, herrschenden urbanen ‘grünen‘ kapitalistischen Entwicklung verwandelt” werden können. (89). Den Gärten fehle es an einer kollektiven Identität bzw. an einem gemeinsamen Ziel, sie funktionierten vielmehr oft als Plattform für verschiedene Themen, wie etwa öffentlicher Raum, Migration, Commons, Gemeinschaftsbildung, Therapie und Bildung. Ernährung und Landwirtschaft seien in vielen Fällen nur ein Aspekt in einer Reihe von Themen und es mangele an gemeinsamen Ideen für städtische Veränderung.
Aber lassen sich nicht Vieldeutigkeit und Vielstimmigkeit auch als eine Stärke der Gärten verstehen, die eben nicht auf ein Thema stillzustellen sind? Über die pauschalisierende Einschätzung, dass sich zwischen älteren Interkulturellen und den neuen “stylischen” Gemeinschaftsgärten eine wachsende Spaltung auftut, mag man sich wundern. Empirisch ist nämlich auch das genaue Gegenteil zu beobachten: Urbane Gemeinschaftsgärten werden immer interkultureller bzw. öffnen sich für Menschen im Kontext von Flucht und Migration.
Summa summarum sorgen sich die Autor_innen, die Gärten könnten Opfer ihres eigenen Ruhms werden. Denn das große mediale und wissenschaftliche Interesse, das die Gärten erregen, führte auch dazu, dass sich auch Auto-, Zigaretten- oder Möbelwerbung etc. für sie interessieren. Die Gefahr der Vereinnahmung der Garteninitiativen für Greenwashing-Kampagnen ist allenthalben spürbar. Die Autor_innen meinen, dass der Aufbau einer “wirklichen” organisatorischen Struktur oder kollektiven Identität hier Abhilfe schaffen könnte (92).

Sarah Kumnig befasst sich in ihrem Aufsatz “Zwischen grüner Imageproduktion, partizipativer Politik und Wachstumszwang: urbane Landwirtschaft und Gärten im Kontext neoliberaler Stadtentwicklung in Wien” mit den Auseinandersetzungen um das Donaufeld, einem traditionellen Ort städtischer Gemüseproduktion, der nach dem Willen der politischen Entscheidungsträger einem Wohnprojekt weichen soll. Dabei werden Gemeinschaftsgärten gegen landwirtschaftliche Produktion in Stellung gebracht. Kumnig zeichnet detailliert nach, wie die Einbindung nicht-staatlicher Akteur_innen in (lokal)staatliche Entscheidungsprozesse und Verantwortungsbereiche vor dem Hintergrund der Neoliberalisierung des Städtischen, d.h. einer zunehmend unternehmerischen Stadtpolitik, weniger auf die Stärkung partizipativer Rechte der Bevölkerung hinausläuft als vielmehr auf die Auslagerung staatlicher Verantwortungsbereiche an zivilgesellschaftliche Organisationen. Im konkreten Fall gab es Mitspracherechte, aber keine Entscheidungsbefugnisse. Mitspracherechte ohne Entscheidungsbefugnisse sind letztlich schlechter als keine Mitspracherechte, weil die scheinbare Partizipation fragwürdige politische Entscheidungen legitimiert.

Andrea*s Exner und Isabelle Schützenberger legen in ihrem Beitrag “Der Geschmack am Gärtnern. Gemeinschaftsgärten und soziale Diversität in Wien” den Finger auf einen kritischen Punkt innerhalb der Gärten selbst. Diskurs und Praxis des Gemeinschaftsgartens sind klassenspezifisch. Urbane Gärten, so die Autorinnen, erweisen sich bei näherem Hinsehen als Mittel der Distinktion für Mittelklassen und Gemeinschaftsgärtnern als Ausdruck von (Klassen-)Habitus: Die Identifikation des politisch Richtigen mit dem eigenen Lebensstil bestärke das Gefühl kultureller Überlegenheit derer, die ohnehin schon privilegiert seien (180).
Entsprechend kritisieren sie Urban Gardening als “Politik der Lebensstile”, die eben nicht auf gesellschaftliche Veränderungen in Richtung eines Abbaus sozialer Ungleichheit ziele. Anhand der Untersuchung von sechs Gemeinschaftsgärten in Wien kommen sie zu der Einschätzung: Gartenprojekte sind wenig(er) divers als gedacht (161). Sie neigen zu sozialer Schließung. Sie diskursiv herzustellen, sei “die Angelegenheit von Intellektuellen” oder jedenfalls von Personen mit dem entsprechenden kulturellen Kapital. Gemeinschaftsgärten, so der Befund der Untersuchung, werden von Angehörigen der Mittelschicht dominiert. Das sei nicht das Ergebnis formeller oder sichtbarer Ausschlussmechanismen. Vielmehr funktioniere die Politik der Lebensstile bzw. die klassenspezifische Aneignung von öffentlichem Raum über den Aufbau symbolischer Schwellen.
Dass gemeinhin mit niedrigem Status assoziierte Subsistenzpraktiken in Gemeinschaftsgärten zu neuen Ehren kommen, deuten die Autor_innen als weiteren Beweis für ihre These, dass in den Gärten diejenigen über die Diskursmacht verfügen, die sie in der Gesellschaft auch ansonsten innehaben, denn: Die hohe Statusposition erweise sich gerade in der Macht zu definieren, was zu einem gegebenen Zeitpunkt als richtig oder falsch bzw. als guter Geschmack gelte (178).
Exner/Schützenberger lassen letztlich offen, ob man es bei den Gemeinschaftsgärten mit politischen Rationalitäten in Hinblick auf gesamtgesellschaftliche Verbesserungen zu tun hat oder mit einer Politik des Lebensstils (in Hinblick auf Distinktionsgewinne beispielsweise durch Aneignung von öffentlichem Raum).
Auch wenn man sich ein genaueres Hinsehen auf die inklusiv wirkende Subsistenzpraxis in den Gärten durch den Austausch von Fähigkeiten, Produkten und Kenntnissen gewünscht hätte: Der Befund ist unbedingt ernst zu nehmen und im Übrigen nicht zu bezweifeln. Was sie bemängeln, betrifft dabei allerdings nicht die Politik der urbanen Gärten allein. Vielmehr weisen Sozialwissenschaftler_innen seit geraumer Zeit darauf hin, dass sich durch die Ausbreitung von Partizipation (zumal als Governance-Strategie) eine deutliche Verschiebung zugunsten der politischen Einflussnahme bürgerlicher Schichten ergeben hat. Dass sich in den Gemeinschaftsgärten die gesellschaftlichen Machtverhältnisse spiegeln, ist insofern kaum erstaunlich. Erstaunlicher ist, dass sie hier auch oft unterlaufen werden, auch dafür lassen sich vielfältig Beispiele anführen. Letztlich sind die Hemmschwellen, an einem urbanen Garten zu partizipieren, eben doch geringer, als sich z.B. an der Planung eines Stadtquartiers zu beteiligen. Im Berliner Allmende-Kontor sind jedenfalls auch nicht-deutschstämmige Anwohner_innen des Tempelhofer Felds mit von der Partie.

Eine weitere bedenkliche Entwicklung beschreibt Marion Ernwein in ihrem Aufsatz “Gemeinschaftsgärten und freiwillige Umweltarbeit – Die Aushandlung von Stellenwert und Bedeutung der Bürger_innenbeteiligung in der Herstellung von Grünraum”. Sie stellt dar, wie die Aufnahme von urbanem Gärtnern in kommunale Programme in Genf erstens zu Verdrängung von sogenannten Familiengärten (vergleichbar mit deutschen Schrebergärten) sowie zweitens zur Ausdünnung staatlicher Verantwortung und Aktivierung von “Freiwilligenarbeit” führt. Gemeinschaftsgärten werden inzwischen bevorzugt gefördert, weil sie platzsparender sind. Dabei werden verschiedene, gerne auch ökologische, Kritiken an den Familiengärten mobilisiert, um den politischen Schwenk zu legitimieren. Dass auch bei dieser Politik die Mittelklasse gegenüber der Arbeiterklasse gewinnt, liegt auf der Hand. Während die Sozialabteilung zunehmend also Gemeinschaftsgärten favorisiert, hat die Grünraumabteilung weiter Vorbehalte und sinnt auf andere Formen der Bürger_innenbeteiligung. Das Engagement im Gemeinschaftsgarten könne nicht als Freiwilligenarbeit gewertet werden: Die machten nur was für sich, heißt es im Amt, nicht für die Allgemeinheit. Hier setzt man eher auf die Aktivierung freiwilligen Engagements bei der Parkpflege. Die zugehörigen Diskurse denunzieren Bürger_innen als “Nur-Komsumierende”, deren Einstellung zu staatlichen Leistungen sich verändern müsse.
Ernwein zeigt, wie sich sukzessive eine neue Auffassung im Verhältnis Staat/Bürger über nationale Grenzen hinweg (hier: durch den Austausch Schweizer Beamten mit ihren Kollegen in den USA) etabliert. Insofern fasst die Autorin Freiwilligenarbeit als eine Technologie von Regierung, die Bürger_innen dazu bringt, ihre Rollen und Beziehungen mit dem Staat neu zu definieren.
Mit der Transformation von Bürger_innen zu Parkpflegenden geht die Produktion neuer Subjektivitäten entsprechend neoliberaler Ideale von Selbstverantwortung einher: Die Bürger dürfen sich an der Arbeit, aber nicht an Entscheidungsprozessen beteiligen.

Martin Sondermann entwickelt in seinem Beitrag “Gemeinschaftsgärten, Gemeinwohl und Gerechtigkeit im Spiegel lokaler Planungskulturen” einen weniger pessimistischen Blick auf die Zusammenarbeit von Aktivist_innen mit lokalen Behörden. Ihn beschäftigt die Frage, inwieweit urbane Gärten als grüne Gemeinschaftsgüter fungieren und dem Gemeinwohl dienen können. Es geht um das Problem der eingeschränkten Zugänglichkeit und Nutzbarkeit (211) bei Club- und  Gemeingütern, das auch urbane Gartenprojekte betrifft. Gemeinschaftsgärten seien, so Sondermann, als Kontinuum zwischen privat und öffentlich, marktwirtschaftlich und staatlich zu sehen (212). Bezugnehmend auf Düsseldorf und Hannover, beides Städte, in denen die zuständigen politischen Gremien und Verwaltungen Gemeinschaftsgärten gegenüber positiv eingestellt sind und sich grundsätzlich in offenen und unterstützenden Haltungen üben, schildert er, wie städtische Beamt_innen darüber wachen, dass keine Vertreibung unliebsamer Nutzergruppen erfolgt – der Klassiker sind hier Konflikte mit Alkoholikern und/oder Obdachlosen – und sich dafür zuständig fühlen, »verbindliche Regelungen über die Befristung« auszuhandeln, um eine Privatisierung öffentlicher Räume zu vermeiden (220).
Sein Beitrag regt dazu an, die Frage um den öffentlichen Raum auch von Seiten der urbanen Gärtner_innen noch gründlicher zu durchdenken.

Alexander Follmann und Valérie Viehoff berichten in ihrem Beitrag “Das Politische eines Gemeinschaftsgartens – NeuLand in Köln als Experimentierort für urban commoning?” sowohl aus der Innenperspektive (Alexander Follmann) als auch aus der Außenperspektive (Valérie Viehoff) von fünf Jahren Gemeinschaftsgartenprojekt NeuLand in Köln.
Es geht um die Rekapitulation der Ausgangslage des Projekts und die Reflexion, an welchem Punkt man heute steht.
NeuLand verstand sich von Anfang an als »political gardening«. Mit dem Garten sollte sowohl ein politischer Akteur geschaffen werden, der sich in die Stadtpolitik einzumischen gedachte, als auch eine “real existierende Allmende”. Dabei sahen sich die Aktivist_innen gleich mit dem Konflikt konfrontiert, zwar einen offenen und integrativen Raum schaffen zu wollen, aber auch Eingrenzungen vornehmen zu müssen. Darüber hinaus, so die Autorinnen, ergeben sich Konflikte aus den vielfältigen Berührungspunkten der real existierenden Allmende NeuLand mit den nach neoliberalen Prinzipien organisierten rechtlichen, sozialen und stadtplanerischen Rahmenbedingungen (244).
Die soziale bzw. die Klassenfrage begegnete den Neuländern schließlich bei der Vergabe der Beete: Angetreten waren sie mit dem Anspruch, alle Beete des Gartens gemeinsam bewirtschaften zu wollen, gemäß ihres politischen Statements, dass eine andere Stadt, dass eine Allmende möglich sei. Nachdem die Pflege der Beete jedoch gemeinschaftlich nicht mehr zu bewerkstelligen war, votierten sie nach heftigen Debatten für die Vergabe von “Privatbeeten”, allerdings unter der Maßgabe, dass jede Beetbetreiberin sich zusätzlich zu ihrem eigenen um ein Gemeinschaftsbeet kümmern müsste. Es zeigte sich, dass diese Regelung dem Gemeinschaftsgarten ganz neue Mitglieder bescherte. Plötzlich beteiligen sich mehr Anwohner_innen und mehr Menschen mit Migrationshintergrund an der Gartengemeinschaft. Das Commoning-Prinzip hatte vorher also unbemerkt und unbeabsichtigt zu Ausschluss geführt, es hatte sich den – nicht dem Bildungsbürgertum zugehörigen – Anwohner_innen nicht vermittelt. Die Aufgabe eines hehren Prinzips – und Abstriche an der Allmende zu machen – führte in der Realität zu mehr Beteiligung und also in gewissem Sinne zu mehr Allmende. Dieses verblüffende Ergebnis gibt in der Tat zu denken.
Wie sie ihre Kritik an der kapitalistisch-neoliberalen Verwertungslogik (in Form von Grundstücksspekulation), die der Ausgangspunkt für die Gartengründung war, in die Planung eines Stadtentwicklungsprojekts einbringen, ist eine andere spannende Geschichte, die im Buch erzählt, hier aber nicht verraten wird.
Trotz der im Beitrag beschriebenen Widersprüche – in die man gerät, wenn man eine “realexistierende Allmende” in der neoliberalen Stadt schaffen will – kommen die Autor_innen insgesamt zu einem positiven Fazit: Da sich die Allmende jenseits von Markt und Staat verorte, biete sie eine neue Perspektive für ein Raumverständnis und die Organisation städtischer Räume jenseits der Dichotomie öffentlich/privat (236).
Und: Explizit politische Urban Gardening-Initiativen könnten die für post-demokratische Gesellschaften als typisch beschriebenen informellen Arrangements zwischen (Stadt-)Regierungen und wirtschaftlichen und politischen Eliten konterkarieren und kreativ neue Akteure schaffen, die versuchen, existierende Hegemonien zu demontieren und eine neue, gegen-hegemoniale Vorstellung von Stadt zu entwickeln (254).
Und: Gartenprojekte wie NeuLand zeigten, dass es möglich und notwendig sei, Commons als Alternative zur derzeitigen hegemonialen, neoliberalen, post-demokratischen Stadt(-Planung) zu denken und mit ihnen zu experimentieren, um eine gerechtere, grünere und nachhaltigere Stadt zu schaffen (255).

Fazit
Insbesondere der letzte Beitrag, wie das Buch insgesamt, bietet einen spannenden Einblick in die Gegenwart des Phänomens Urban Gardening. Die Bewegung wächst aus ihren Kinderschuhen heraus und wagt selbstbewusst selbstkritische Blicke auf die eigene Praxis. Die Diskussionen, der kritische Blick auf sich selbst, macht deutlich, hier reflektieren Aktivist_innen ihre Praxis. Sie thematisieren die Schwierigkeiten, widerständig zu bleiben in einer Umgebung, die sich jeden Widerstand sofort anzueignen sucht; und zwar nicht dadurch, dass sie ihn zerstört, sondern indem sie ihn schlicht verdreht. Sie blicken auf die eigenen blinden Flecke, wie sich unversehens Ausschlüsse entlang der sozialen Lage einschleichen, die man nicht bemerkt (NeuLand) oder auch billigend in Kauf nimmt, weil die Auseinandersetzungen mit Randgruppen auch anstrengend sind. Die Perspektive aus der Innensicht einer Bewegung bzw. aus interessierter und informierter Perspektive kommt erfahrungsgesättigt daher. Die Autor_innen sind fast alle nah an ihrem Gegenstand, sie wissen, wovon sie sprechen, sie sprechen aus Erfahrung, verstehen es aber auch, immer wieder Abstand zu gewinnen. Sie thematisieren die Ambivalenzen, um besser mit ihnen umgehen zu können. Sie ringen um Wege, sich nicht vereinnahmen zu lassen von der neoliberalen Stadt. Sie wissen, dass die Gefahr der Vereinnahmung groß ist und versuchen sie zu bannen, indem sie sie offenlegen, sie reden sie nicht klein. Sie thematisieren die Widersprüche ihrer Praxis, die Widersprüche, mit denen sie umgehen müssen, in denen sie sich bewegen. Es ist ein spannendes Buch, das die Finger in manche Wunde legt. Insbesondere ist spannend, wie die einzelnen Beiträge explizit oder implizit aufeinander Bezug nehmen, aufeinander antworten, sich mitunter auch widersprechen. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist, dass hier verschiedene Perspektiven versammelt wurden. Dass man in diesem Buch verhältnismäßig wenig von den Potentialen urbaner Gemeinschaftsgärten erfährt, verdankt sich der erklärten Absicht der Herausgeber_innen, einen kritischen Blick auf die Projekte und ihre Umgebungen werfen zu wollen. Eine genaue Analyse der Prozesse neoliberaler Vereinnahmung als ein notwendig ambivalentes Geschehen im Kapitalismus, und damit eine Antwort auf die Frage, wie nicht-kapitalistische Formen verteidigt werden können, halten jedoch auch sie nicht bereit.
Manche Dinge hätte man gerne noch genauer gewusst, beispielsweise welche Projekte wohl gemeint sind, wenn von “stylischen Gärten” die Rede ist, die eine Vereinnahmung leichter ermöglichen als andere. Oder inwiefern sich die Spaltung zwischen den älteren Interkulturellen Gärten einerseits und neuen “stylischen” Gärten verschärft? Sollte diese Spaltung tatsächlich existieren, wäre sie einer genaueren Betrachtung doch eigentlich wert gewesen.
Alles in allem: ein spannendes Buch, ein wichtiges Buch, zum Lesen unbedingt zu empfehlen!

Sarah Kumnig / Marit Rosol / Andrea*s Exner (Hg.) (2017):
Umkämpftes Grün. Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten.
268 Seiten, kart., zahlr. Abb., erschienen in der Reihe Urban Studies, transcript Verlag
ISBN 978-3-8376-3589-8, EUR 29,99
http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3589-8/umkaempftes-gruen

Buchvorstellung “Umkämpftes Grün” in Graz, 13. 6. 2017

Umkämpftes Grün – Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten

Buchvorstellung + Diskussion

Dienstag, 13.6.2017 | 19Uhr | Stadtbibliothek Nord (Theodor Körner Straße 59, 8010 Graz | Straßenbahnhaltstelle Hasnerplatz

Urbane Gärten sind aus vielen Städten nicht mehr wegzudenken. Gemeinschaftlicher Gemüseanbau wird dabei oft als rebellischer Akt der Stadtgestaltung von unten verstanden. Gleichzeitig taucht »urban gardening« immer häufiger in Stadtentwicklungsplänen und Werbebroschüren auf.
Der Sammelband liefert eine kritische Analyse grüner urbaner Aktivitäten und ihrer umkämpften und widersprüchlichen Rolle in aktuellen Prozessen der Neoliberalisierung des Städtischen.

Zu diesen Themen diskutieren:
* Sarah Kumnig (forscht und lehrt an der Universität Wien zu neoliberaler Stadtentwicklung, urbaner Landwirtschaft, Wohnpolitik und Urban Citizenship)
* Tamara Ussner (Verein Seed; Gemeinderätin in Graz)
* Elisabeth Hufnagl (Forum Urbanes Gärtnern, Stadtteilzentrum Triester) (angefragt)

Moderation: David Steinwender (Forum Urbanes Gärtnern, Transition Graz)

Eine Kooperationsveranstaltung von: Forum Urbanes Gärtnern, Transition Graz, Südwind Steiermark, SEED Kollektiv, Arbeitskreis Ernährungssouveränität (AKES Graz/Steiermark), Crossroads Festival.
Mit herzlichen Dank an die Stadtbibliothek Nord für die Räumlichkeiten.

https://www.facebook.com/events/169060470291813/

Buchvorstellung: “Umkämpftes Grün” – 12. Juni 2017, Wien

Pro und contra – aktuelle Sachbücher im Gespräch

Montag, 12. Juni 2017, 19:00 Uhr bis 20:30 Uhr
Hauptbücherei am Gürtel, 1070 Urban-Loritz-Platz 2a

Sarah Kumnig, Marit Rosol, Andrea*s Exner (Hg.): Umkämpfes Grün. Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten (transcript)

Buchcover von Umkämpftes Grün © transcript_UrbanStudies

Podiumsdiskussion mit Andrea*s Exner, Sarah Kumnig, Bettina Köhler (Universität Wien) und Cordula Fötsch (Gartenpolylog)

Moderation: Elke Rauth (dérive. Zeitschrift für Stadtforschung).

Urbane Gärten sind aus vielen Städten nicht mehr wegzudenken. Gemeinschaftlicher Gemüseanbau wird dabei oft als rebellischer Akt der Stadtgestaltung von unten verstanden. Gleichzeitig taucht »urban gardening« immer häufiger in Stadtentwicklungsplänen und Werbebroschüren auf. Der Sammelband liefert eine kritische Analyse grüner urbaner Aktivitäten und ihrer umkämpften und widersprüchlichen Rolle in aktuellen Prozessen der Neoliberalisierung des Städtischen.

Mit den Herausgeber_innen diskutieren die Stadtforscherin Bettina Köhler und Cordula Fötsch vom Verein Gartenpolylog über das neuerschienene Buch und aktuelle Prozesse in der Wiener Stadtentwicklung.

Sarah Kumnig forscht und lehrt an der Universität Wien zu neoliberaler Stadtentwicklung, urbaner Landwirtschaft, Wohnpolitik und Urban Citizenship.
Andrea*s Exner studierte Ökologie und arbeitet an einer Dissertation in Politikwissenschaft.

Neu-Erscheinung: “Umkämpftes Grün”

Umkämpftes GrünIm Verlag Transcript ist soeben das Buch “Umkämpftes Grün. Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten” erschienen, das Sarah Kumnig, Marit Rosol und Andrea*s Exner herausgeben. Es ist aus unserer Konferenz zu Green Urban Commons in Wien 2016 entstanden.

Aus dem Klappentext:

Urbane Gärten sind aus vielen Städten nicht mehr wegzudenken. Gemeinschaftlicher Gemüseanbau wird dabei oft als rebellischer Akt der Stadtgestaltung von unten verstanden. Gleichzeitig taucht »urban gardening« immer häufiger in Stadtentwicklungsplänen und Werbebroschüren auf.

Die Beiträger_innen des Bandes liefern eine kritische Analyse grüner urbaner Aktivitäten und ihrer umkämpften und widersprüchlichen Rolle in aktuellen Prozessen der Neoliberalisierung des Städtischen.

Out now: Unser Beitrag zu urbaner Landwirtschaft in Wien für den Sammelband “Gesellschaft im Wandel”

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Der Sammelband “Gesellschaft im Wandel”, herausgegeben von Judith Fritz und Nino Tomaschek, enthält einen Beitrag der Green Urban Commons Forschungsgruppe mit dem Titel “Stadtentwicklung, urbane Landwirtschaft und
zivilgesellschaftlich gestalteter Grünraum in Wien”.

Gesellschaft im Wandel Gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Perspektiven von Judith Fritz, Nino Tomaschek (Hrsg.),University – Society – Industry, Band 5, 2016, 264 Seiten, br., mit einigen Abbildungen, Buch: 34,90 €, ISBN 978-3-8309-3465-3, E-Book: 30,99€, ISBN 978-3-8309-8465-8

 

 

Aus der Einleitung des Beitrags:

Der Diskurs über die Stadtentwicklung in Wien wird vom Wachstum der Stadt geprägt. Dieses gilt als nicht beeinflussbare, d.h. vorgegebene Entwicklung, die zudem positiv sei, aber auch große Herausforderungen impliziere. Auf diese Leitvorstellung werden fast alle Ziele der Stadtentwicklung hin ausgerichtet, wie unter anderem der 2014 vom Wiener Gemeinderat beschlossene Stadtentwicklungsplan illustriert (MA 18, 2014a).

Das Wachstum der Stadt wird in Wien als ein gesellschaftliches Allgemeininteresse konstruiert. Wachstum wird zum einen als ein Sachzwang dargestellt, zum anderen als ein Zeichen für eine erfolgreiche Stadtentwicklung. So werden grundlegende Fragen der Stadtentwicklung Auseinandersetzungen um die politische Gestaltung von Stadt entzogen. Dem gegenüber geht unser Artikel der Frage nach, wie dieses vermeintliche Allgemeininteresse gesellschaftlich konstruiert wurde bzw. wird und unter welchen politischen und ökonomischen Bedingungen sich das Wachstum der Stadt ergibt.

In den gegenwärtigen Strategien zur Entwicklung der Stadt Wien spielen ökologische Aspekte eine prominente Rolle. Diese werden als Teil einer „ökologischen Modernisierung“ gedacht und ordnen sich tendenziell den Wachstums- und Entwicklungsimperativen unter. Konflikte werden darin kaum beleuchtet sowie Macht und Herrschaft nicht offen reflektiert.

Im Rahmen des vom Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds (WWTF) von 2013 bis 2016 geförderten Forschungsprojekts „Green Urban Commons“, das am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien angesiedelt ist, haben wir vor allem zivilgesellschaftlich gestalteten Grünraum in Wien untersucht, der verschiedene Formen von gemeinschaftlichem Gärtnern, kollektive Landwirtschaftsprojekte, Selbsterntefelder und die Begrünung von Baumscheiben umfasst. In diesem Artikel wollen wir den Kontext dieser Initiativen analysieren. Dabei werden wir insbesondere die Widersprüchlichkeit und Umkämpftheit von Stadtentwicklung sowie den Einfluss von Macht und Herrschaft darstellen.

Der Sammelband vereint eine Reihe spannender Beiträge von an der Universität Wien forschenden Menschen. Hier eine Kurzbeschreibung von der Website des Verlags Waxmann:

Gesellschaften wandeln sich – in sozialer, politischer wie ökonomischer Hinsicht. Es besteht kein Zweifel daran, dass sich diese Wandlungsprozesse in den vergangenen Jahrzehnten beschleunigt und tiefgreifende Veränderungen mit sich gebracht haben. Schlagworte wie Individualisierung, Globalisierung oder digitale Revolution stellen das gesellschaftliche Miteinander vor große Herausforderungen, bieten jedoch zugleich Potenzial für die Weiterentwicklung von Gesellschaften. Lebensstile werden vielfältiger, Bildungschancen gerechter und die Altersspanne jener Personen, die aktiv im beruflichen oder zivilgesellschaftlichen Leben stehen, größer. Zugleich sind stagnierendes Wirtschaftswachstum, Klimawandel und wachsende soziale Polarisierung brisante Problemlagen, zu deren Bewältigung wirksame Maßnahmen gefunden werden müssen. Der fünfte Band der Reihe „University – Society – Industry“ beleuchtet diese Wandlungsprozesse in 17 Beiträgen aus interdisziplinären Blickwinkeln und gibt Denkanstöße, um sich den Veränderungen zu stellen.

 

Green Urban Commons bei “University Meets Public”, Mo., 10. Okt. 2016

„University Meets Public“- Forschung zum Angreifen

Eintauchen in die Welt der Forschung mit ForscherInnen und Projekten der Universität Wien, MedUni Wien, TU Wien, FH Campus Wien, FHWien der WKW, FH Technikum

Montag 10. Oktober 2016, 17:00 – 20:00 Uhr
Dachsaal der Wiener Urania

17:00 Uhr Eröffnung durch Wohnbaustadtrat und VHS Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Ludwig
17:15-19:00 Uhr Präsentationen der Forschungsprojekte
19:00-20:00 Uhr Offener Dialograum und Buffet

Im Dachsaal der Wiener Urania werden spannende und praxisnahe Forschungsprojekte aller beteiligten Hochschulen präsentiert. BesucherInnen können von Station zu Station wandern und haben die Möglichkeit Forschungsprojekte zu erkunden und sich mit den WissenschafterInnen über ihre Arbeit bzw. Ergebnisse auszutauschen. Den Abschluss bildet ein Get Together mit Snacks und Getränken.

Eintritt frei! Infos und Anmeldung unter science@vhs.at oder online unter http://www.vhs.at


Die einzelnen Projekte:


Medizinische Universität Wien

  • Molekulare Einblicke in die Entstehung und Funktion von T Lymphozyten: Univ. Prof. Mag. Dr. Wilfried Ellmeier, Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Allergieforschung, Institut für Immunologie
  • Grundlagenforschung des Lungenhochdrucks: Dr. Max-Paul Winter, Universitätsklinik für Innere Medizin II, Klinische Abteilung für Kardiologie

Technische Universität Wien

  • SQUIRREL – Kinderzimmeraufräumroboter: Dipl.-Ing. Dr.techn. Michael Zillich, Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik

FH Campus Wien

  • Bewegungslabor: Analyse von Alltagsbewegungen: Klaus Widhalm, MSc, Fachbereich Physiotherapie
  • Smarte Datenbrille für Medikamenteneinnahme: Ing. Gernot Korak, BSc MSc & Bernhard Taufner, Fachbereich High Tech Manufacturing
  • Formula Student OS.Car Racing Team: Harald Frey, BSc, Leiter des Racing Teams, FH Campus Wien

FHWien der WKW

  • Kleine und Mittlere Unternehmen als Weltverbesserer? Stadt Wien Kompetenzteam für nachhaltiges, strategisches und chancenorientiertes Management von KMU; Mag.a Dr.in Daniela Ortiz Avram, Center for Corporate Governance & Business Ethics
  • KMU in Veränderung – Diagnose und Förderung der strategischen Veränderungsfähigkeit von kleinen und mittelständischen Unternehmen: FH-Prof.in Dr.in Christina Schweiger, Senior Forscherin Kompetenzteam Entrepreneurship / Bereichsleiterin Entrepreneurship, FH-Prof.in Dr.in Barbara Kump, Stadt Wien Stiftungsprofessur für Forschung im Bereich Organisationsentwicklung und lernende Organisation

Universität Wien

  • Wie ÖsterreicherInnen gemacht werden: Zur diskursiven Konstruktion österreichischer Identität/en: o. Univ.-Prof.in i.R. Dr.in Ruth Wodak, Dr. Markus Rheindorf, A.o. Univ. Prof. Mag. Dr. Rudolf de Cillia, Sabine Lehner, BA MA, Institut für Sprachwissenschaft
  • Grüne städtische Gemeingüter: Univ.-Prof. Dr. Ulrich Brand, Mag.a Isabelle Schützenberger, BSc, Dr. Andrea*s Exner, Institut für Politikwissenschaft

FH Technikum

  • Auge und Lunge – Künstliche Organmodelle im Labor: Dipl.-Ing. Lukas Traxler, BSc, Institut Biomedical, Health and Sports Engineering
  • Aufbau eines europäischen Smart City Netzwerks: Darya Bululukova, MSc, Institut Information Engineering & Security

Veranstaltung der VHS Wien in Kooperation mit dem Postgraduate Center Universität Wien, sowie MedUni Wien, TU Wien, FH Campus Wien, FHWien der WKW, FH Technikum

Die Stadt frisst ihre Äcker – Beitrag im Presse-Spectrum

Peter A. Krobath, Sarah Kumnig und Andrea*s Exner haben in der aktuellen Beilage “Spectrum” der Tageszeitung “Die Presse” einen Artikel zur Situation der städtischen Landwirtschaft und des urbanen Gartenbaus in Wien veröffentlicht.

Link zum Artikel hier.

Einleitung:

Wir brauchen städtische Landwirtschaft für Nahversorgung wie für ökologische Ziele. Doch die Produktion von Gemüse wird in Wien zunehmend durch eine PR-Produktion von Gemüsegartenbildern abgelöst. Über Urban Gardening, Donaufeld, Haschahof – und darüber, was das eine mit den anderen zu tun hat.

Veranstaltung, Berlin, 3.8.: “Früchte & Widersprüche urbaner Gärten”

Mittwoch 3. August, 19:00 – 21:00 Uhr
In der Laube in den Prinzessinnengärten

Urbane Gärten handeln ökologisch, entwickeln alternative Ökonomien und fördern das nachbarschaftliche Miteinander. Gleichzeitig finden sich Bilder von urbanen Gärten in zahllosen Marketing- und Tourismuskampagnen oder auch in Anzeigen von Immobilienentwicklern. Inzwischen bauen selbst Kohlekraftswerksbetreiber, globale Textilunternehmen und Autohersteller „Gemeinschaftsgärten“.

“In dem Moment wo alle sagen `wir lieben es´ sollte man merken, dass da etwas faul ist”

Solche Vereinnahmungsversuche waren Anlass für das Manifest Die Stadt ist unser Garten. Darin wenden sich 140 Initiativen gegen jede Kommerzialisierung und machen deutlich, dass sie aus Gründen den Spaten in die Hand nehmen, die mit Trends und Lifestyle nur wenig zu tun haben. Wie passt dieses soziale und ökologische Engagement mit Marketingkampagnen und Aufwertungsprozessen zusammen? Wo stoßen die Gärten als Experimentierräume für ein gutes Leben an ihre Grenzen?

Die Gartenaktivist*innen und Forscher*innen Severin Halder (Allmende-Kontor/ FU Berlin), Alexander Follmann (Neuland Köln/ Uni Köln), Ella von der Haide (Eine andere Welt ist pflanzbar!/ Uni Kassel) und Marco Clausen (Prinzessinnengärten) laden in die Nachbarschaftsakademie ein, um sich mit allen Interessierten konstruktiv zu den Widersprüchen und Möglichkeiten von urbanen Gärten auszutauschen. Mehr hier

Conference Contribution: “Urban Gardening and Collective Agriculture in Vienna – Citizen Participation as Neoliberal Strategy?”

At the third ISA Forum of Sociology in Vienna, that took place from 10th to 14th of July, S. Kumnig and A. Exner made a presentation of some results of our ongoing research on urban agriculture in Vienna. Our contribution incited inspiring comments and some debate, and links to other research presented at our panel were apparent.

This was the abstract:

In Vienna, participation strategies are a prominent part of neoliberal urban development processes, widely applied by government and administration. Participation is typically organized by semi-state organizations in the form of public-private-partnerships where the city administration sets the framework conditions, guidelines and goals. Urban Gardening is one of the most visible areas, where participation is used as a technology to govern the neoliberal city.

In this presentation, we ask how decision making is shaped within such processes using a Foucauldian approach. Based on participant observation and interviews with community garden and collective agriculture activists, as well as members of the city administration, planning institutions and semi-state organizations, we analyze government technologies relevant in this regard. We distinguish three basic levels of corridorization of such initiatives: (1) definition of the field of possibility through city plans and development guidelines, (2) exclusion of incompatible initiatives by repression and juridical means, (3) activation of individuals as creative subjects.

Participation serves different functions according to the development tasks as defined by government: (1) to transfer knowledge about local identity formation to support the branding of new city areas, (2) to increase acceptance of top down-planning by communicating planning rationalities and by offering limited options for co-design, (3) to functionalize people for processes of the culturalization of the city, (4) to create an image of a permeable state acting to fulfill the needs of citizens. These functions are altered by dynamics of reinterpretation, appropriation and resistance of subjects.

We conclude that (1) participation primarily serves a technology to govern within a neoliberal urban development (e.g. positioning Vienna within the international city competition), that (2) this attempt has to deal with non-intended social dynamics, which (3) nevertheless do not reach a level of impact able to significantly influence neoliberal agenda setting.

Haschahof besetzt – Wohnfonds droht mit Räumung

[via Stadtfrucht]

DSC_2498Heute am späten Vormittag fanden diverse Medienleute und Politikerinnen ein Mail mit dem Betreff „Haschahof ist besetzt!“ im digitalen Briefkasten. Wer die Aussendung öffnete, erfuhr folgendes: „Seit Ende 2015 ist EVORA im Haschahof, um den mutwilligen Verfall der Objekte und die Versiegelung der seit Jahrzehnten biologisch bewirtschafteten Ackerflächen entgegenzuwirken. Immer wieder wird versucht, bei Gebäuden die entweder der Stadtpolitik im Wege stehen oder der Spekulation dienen, durch kleine Manipulationen, wie das Entfernen von einzelnen Dachziegeln, oder das Aushängen von Türen und Fenstern, die Bausubstanz zu zerstören, um einen Abriss zu legimitieren.“
Wer sich die Gebäude des Haschahofs vor Ort anschaut, muss den Besetzerinnen recht geben. Der Gründerzeithof mit rund zehn Gebäuden ist generell in einem gut erhaltenen Zustand, doch da und dort finden sich Beschädigungen, die bewusst herbeigeführt scheinen. Zum Beispiel herausgerissene Trafokästen und heruntergeschlagene Armaturen. Oder die von der Gruppe angesprochenen Löcher im Dach, nicht viele, aber merkwürdige. Denn welcher Wirbelsturm geht so gezielt vor, dass er sich auf einem viele Hunderte Quadratmeter großen Dach (wie dem über den schönen alten Schnittböden) nur eine Stelle aussucht und dann ausgerechnet die über der Holzstiege. – „Wir haben einen Freund, der ist Dachdecker, der will das in den nächsten Tagen reparieren“, sagt ein Besetzer.
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Der Wohnfonds Wien, seit sieben Monaten Eigentümer, kann sich also glücklich schätzen, dass sich endlich jemand um die Instandhaltung des Haschahofs kümmert, die Wohnbaustadtrat Ludwig unlängst mit 75.000 Euro im Jahr bezifferte. – Möchte mensch meinen.

Aber der Wohnfonds Wien tickt etwas anders. Schon am Nachmittag schickte er die Polizei mit drei Wannen (Gruppenkraftwagen) vorbei. Etwas voreilig, denn den Beamten fehlte ein richterlicher Räumungsbescheid. Nichtdestotrotz droht den selbstermächtigten Haschahof-Hüterinnen weiterhin der Rauswurf. Oder doch nicht?
Will der Wohnfonds hier wirklich ein Verhalten fortsetzen, das ihm im Fall Haschahof schon genügend negative Schlagzeilen einbrachte?
Denn wider der im STEP25 (Stadterweiterungsplan) beschworenen „sanften Stadterweiterung“ ist die Stadt im „Zielgebiet“ Rothneusiedl bisher eher grob fahrlässig vorgegangen.
Zur Erinnerung:DSC_0466
Am 15. Juli 2015 wurde der Kaufvertrag zwischen der Herfelder’schen Familienstiftung und dem Wohnfonds Wien unterzeichnet. Für 57,6 Millionen Euro wechselten in Rothneusiedl rund 45 Hektar Boden und ein Gutshof die Besitzerin.
Dummerweise hatte man bereits im ersten Schritt dieses sogenannten Stadtentwicklungsprozesses nur die Entwicklung der Geldsummen im Auge und ganz die Menschen übersehen, die Teile dieses Areals nutzten: Die Tausenden Gärtnerinnen, die sich hier im Rahmen des Selbsternteprojekts Haschahof seit 28 Jahren biologisch nahversorgten.
Weder wurde ihnen gesagt, warum der Betrieb plötzlich zusperrte, noch bemühte man sich nach Abschluss der Kaufverhandlungen um einen Neubeginn. Die Bürgerinnen wurden von der Stadt mit Floskeln aus dem Wording-Baukasten abgespeist („Wir können Ihnen versichern, dass wir Ihre Sorge ernst nehmen und diese auch in gewisser Weise nachvollziehen können“), und im Regen stehen gelassen.
Nicht nur das: Um einen noch deutlicheren Trennungsstrich zum Leben und zur Geschichte in diesem Stadtteil zu ziehen, wollte der Wohnfonds Wien sogar die Gebäude des idyllischen Gründerzeithofs abreißen lassen, was in letzter Minute verhindert werden konnte.
(Nachzulesen hier:
ABRISS HASCHAHOF – Wohnfonds Wien vernichtet ein Stück Stadtgeschichte – Ein Hilferuf
und da:
HASCHAHOF – 1 Video & 1 Antwort & 1 Rettung
und dort:
https://stadtfruchtwien.wordpress.com/2016/01/16/haschahof-medienspiegel-und-stimmen/ )
Übrigens: Falls die Baumaschinen aufgefahren wären, hätte es im Hintergrund einige Menschen gegeben, die bereit waren, den idyllischen Hof mit dem Einsatz ihrer Körper zu schützen. Unter ihnen die, die nun damit beginnen, den Hof wieder mit Leben zu füllen und sich um seinen Erhalt zu kümmern.DSC_2451