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Buchvorstellung “Umkämpftes Grün” in Graz, 13. 6. 2017

Umkämpftes Grün – Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten

Buchvorstellung + Diskussion

Dienstag, 13.6.2017 | 19Uhr | Stadtbibliothek Nord (Theodor Körner Straße 59, 8010 Graz | Straßenbahnhaltstelle Hasnerplatz

Urbane Gärten sind aus vielen Städten nicht mehr wegzudenken. Gemeinschaftlicher Gemüseanbau wird dabei oft als rebellischer Akt der Stadtgestaltung von unten verstanden. Gleichzeitig taucht »urban gardening« immer häufiger in Stadtentwicklungsplänen und Werbebroschüren auf.
Der Sammelband liefert eine kritische Analyse grüner urbaner Aktivitäten und ihrer umkämpften und widersprüchlichen Rolle in aktuellen Prozessen der Neoliberalisierung des Städtischen.

Zu diesen Themen diskutieren:
* Sarah Kumnig (forscht und lehrt an der Universität Wien zu neoliberaler Stadtentwicklung, urbaner Landwirtschaft, Wohnpolitik und Urban Citizenship)
* Tamara Ussner (Verein Seed; Gemeinderätin in Graz)
* Elisabeth Hufnagl (Forum Urbanes Gärtnern, Stadtteilzentrum Triester) (angefragt)

Moderation: David Steinwender (Forum Urbanes Gärtnern, Transition Graz)

Eine Kooperationsveranstaltung von: Forum Urbanes Gärtnern, Transition Graz, Südwind Steiermark, SEED Kollektiv, Arbeitskreis Ernährungssouveränität (AKES Graz/Steiermark), Crossroads Festival.
Mit herzlichen Dank an die Stadtbibliothek Nord für die Räumlichkeiten.

https://www.facebook.com/events/169060470291813/

Buchvorstellung: “Umkämpftes Grün” – 12. Juni 2017, Wien

Pro und contra – aktuelle Sachbücher im Gespräch

Montag, 12. Juni 2017, 19:00 Uhr bis 20:30 Uhr
Hauptbücherei am Gürtel, 1070 Urban-Loritz-Platz 2a

Sarah Kumnig, Marit Rosol, Andrea*s Exner (Hg.): Umkämpfes Grün. Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten (transcript)

Buchcover von Umkämpftes Grün © transcript_UrbanStudies

Podiumsdiskussion mit Andrea*s Exner, Sarah Kumnig, Bettina Köhler (Universität Wien) und Cordula Fötsch (Gartenpolylog)

Moderation: Elke Rauth (dérive. Zeitschrift für Stadtforschung).

Urbane Gärten sind aus vielen Städten nicht mehr wegzudenken. Gemeinschaftlicher Gemüseanbau wird dabei oft als rebellischer Akt der Stadtgestaltung von unten verstanden. Gleichzeitig taucht »urban gardening« immer häufiger in Stadtentwicklungsplänen und Werbebroschüren auf. Der Sammelband liefert eine kritische Analyse grüner urbaner Aktivitäten und ihrer umkämpften und widersprüchlichen Rolle in aktuellen Prozessen der Neoliberalisierung des Städtischen.

Mit den Herausgeber_innen diskutieren die Stadtforscherin Bettina Köhler und Cordula Fötsch vom Verein Gartenpolylog über das neuerschienene Buch und aktuelle Prozesse in der Wiener Stadtentwicklung.

Sarah Kumnig forscht und lehrt an der Universität Wien zu neoliberaler Stadtentwicklung, urbaner Landwirtschaft, Wohnpolitik und Urban Citizenship.
Andrea*s Exner studierte Ökologie und arbeitet an einer Dissertation in Politikwissenschaft.

Neu-Erscheinung: “Umkämpftes Grün”

Umkämpftes GrünIm Verlag Transcript ist soeben das Buch “Umkämpftes Grün. Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten” erschienen, das Sarah Kumnig, Marit Rosol und Andrea*s Exner herausgeben. Es ist aus unserer Konferenz zu Green Urban Commons in Wien 2016 entstanden.

Aus dem Klappentext:

Urbane Gärten sind aus vielen Städten nicht mehr wegzudenken. Gemeinschaftlicher Gemüseanbau wird dabei oft als rebellischer Akt der Stadtgestaltung von unten verstanden. Gleichzeitig taucht »urban gardening« immer häufiger in Stadtentwicklungsplänen und Werbebroschüren auf.

Die Beiträger_innen des Bandes liefern eine kritische Analyse grüner urbaner Aktivitäten und ihrer umkämpften und widersprüchlichen Rolle in aktuellen Prozessen der Neoliberalisierung des Städtischen.

Out now: Unser Beitrag zu urbaner Landwirtschaft in Wien für den Sammelband “Gesellschaft im Wandel”

cover-sammelband

Der Sammelband “Gesellschaft im Wandel”, herausgegeben von Judith Fritz und Nino Tomaschek, enthält einen Beitrag der Green Urban Commons Forschungsgruppe mit dem Titel “Stadtentwicklung, urbane Landwirtschaft und
zivilgesellschaftlich gestalteter Grünraum in Wien”.

Gesellschaft im Wandel Gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Perspektiven von Judith Fritz, Nino Tomaschek (Hrsg.),University – Society – Industry, Band 5, 2016, 264 Seiten, br., mit einigen Abbildungen, Buch: 34,90 €, ISBN 978-3-8309-3465-3, E-Book: 30,99€, ISBN 978-3-8309-8465-8

 

 

Aus der Einleitung des Beitrags:

Der Diskurs über die Stadtentwicklung in Wien wird vom Wachstum der Stadt geprägt. Dieses gilt als nicht beeinflussbare, d.h. vorgegebene Entwicklung, die zudem positiv sei, aber auch große Herausforderungen impliziere. Auf diese Leitvorstellung werden fast alle Ziele der Stadtentwicklung hin ausgerichtet, wie unter anderem der 2014 vom Wiener Gemeinderat beschlossene Stadtentwicklungsplan illustriert (MA 18, 2014a).

Das Wachstum der Stadt wird in Wien als ein gesellschaftliches Allgemeininteresse konstruiert. Wachstum wird zum einen als ein Sachzwang dargestellt, zum anderen als ein Zeichen für eine erfolgreiche Stadtentwicklung. So werden grundlegende Fragen der Stadtentwicklung Auseinandersetzungen um die politische Gestaltung von Stadt entzogen. Dem gegenüber geht unser Artikel der Frage nach, wie dieses vermeintliche Allgemeininteresse gesellschaftlich konstruiert wurde bzw. wird und unter welchen politischen und ökonomischen Bedingungen sich das Wachstum der Stadt ergibt.

In den gegenwärtigen Strategien zur Entwicklung der Stadt Wien spielen ökologische Aspekte eine prominente Rolle. Diese werden als Teil einer „ökologischen Modernisierung“ gedacht und ordnen sich tendenziell den Wachstums- und Entwicklungsimperativen unter. Konflikte werden darin kaum beleuchtet sowie Macht und Herrschaft nicht offen reflektiert.

Im Rahmen des vom Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds (WWTF) von 2013 bis 2016 geförderten Forschungsprojekts „Green Urban Commons“, das am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien angesiedelt ist, haben wir vor allem zivilgesellschaftlich gestalteten Grünraum in Wien untersucht, der verschiedene Formen von gemeinschaftlichem Gärtnern, kollektive Landwirtschaftsprojekte, Selbsterntefelder und die Begrünung von Baumscheiben umfasst. In diesem Artikel wollen wir den Kontext dieser Initiativen analysieren. Dabei werden wir insbesondere die Widersprüchlichkeit und Umkämpftheit von Stadtentwicklung sowie den Einfluss von Macht und Herrschaft darstellen.

Der Sammelband vereint eine Reihe spannender Beiträge von an der Universität Wien forschenden Menschen. Hier eine Kurzbeschreibung von der Website des Verlags Waxmann:

Gesellschaften wandeln sich – in sozialer, politischer wie ökonomischer Hinsicht. Es besteht kein Zweifel daran, dass sich diese Wandlungsprozesse in den vergangenen Jahrzehnten beschleunigt und tiefgreifende Veränderungen mit sich gebracht haben. Schlagworte wie Individualisierung, Globalisierung oder digitale Revolution stellen das gesellschaftliche Miteinander vor große Herausforderungen, bieten jedoch zugleich Potenzial für die Weiterentwicklung von Gesellschaften. Lebensstile werden vielfältiger, Bildungschancen gerechter und die Altersspanne jener Personen, die aktiv im beruflichen oder zivilgesellschaftlichen Leben stehen, größer. Zugleich sind stagnierendes Wirtschaftswachstum, Klimawandel und wachsende soziale Polarisierung brisante Problemlagen, zu deren Bewältigung wirksame Maßnahmen gefunden werden müssen. Der fünfte Band der Reihe „University – Society – Industry“ beleuchtet diese Wandlungsprozesse in 17 Beiträgen aus interdisziplinären Blickwinkeln und gibt Denkanstöße, um sich den Veränderungen zu stellen.

 

Green Urban Commons bei “University Meets Public”, Mo., 10. Okt. 2016

„University Meets Public“- Forschung zum Angreifen

Eintauchen in die Welt der Forschung mit ForscherInnen und Projekten der Universität Wien, MedUni Wien, TU Wien, FH Campus Wien, FHWien der WKW, FH Technikum

Montag 10. Oktober 2016, 17:00 – 20:00 Uhr
Dachsaal der Wiener Urania

17:00 Uhr Eröffnung durch Wohnbaustadtrat und VHS Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Ludwig
17:15-19:00 Uhr Präsentationen der Forschungsprojekte
19:00-20:00 Uhr Offener Dialograum und Buffet

Im Dachsaal der Wiener Urania werden spannende und praxisnahe Forschungsprojekte aller beteiligten Hochschulen präsentiert. BesucherInnen können von Station zu Station wandern und haben die Möglichkeit Forschungsprojekte zu erkunden und sich mit den WissenschafterInnen über ihre Arbeit bzw. Ergebnisse auszutauschen. Den Abschluss bildet ein Get Together mit Snacks und Getränken.

Eintritt frei! Infos und Anmeldung unter science@vhs.at oder online unter http://www.vhs.at


Die einzelnen Projekte:


Medizinische Universität Wien

  • Molekulare Einblicke in die Entstehung und Funktion von T Lymphozyten: Univ. Prof. Mag. Dr. Wilfried Ellmeier, Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Allergieforschung, Institut für Immunologie
  • Grundlagenforschung des Lungenhochdrucks: Dr. Max-Paul Winter, Universitätsklinik für Innere Medizin II, Klinische Abteilung für Kardiologie

Technische Universität Wien

  • SQUIRREL – Kinderzimmeraufräumroboter: Dipl.-Ing. Dr.techn. Michael Zillich, Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik

FH Campus Wien

  • Bewegungslabor: Analyse von Alltagsbewegungen: Klaus Widhalm, MSc, Fachbereich Physiotherapie
  • Smarte Datenbrille für Medikamenteneinnahme: Ing. Gernot Korak, BSc MSc & Bernhard Taufner, Fachbereich High Tech Manufacturing
  • Formula Student OS.Car Racing Team: Harald Frey, BSc, Leiter des Racing Teams, FH Campus Wien

FHWien der WKW

  • Kleine und Mittlere Unternehmen als Weltverbesserer? Stadt Wien Kompetenzteam für nachhaltiges, strategisches und chancenorientiertes Management von KMU; Mag.a Dr.in Daniela Ortiz Avram, Center for Corporate Governance & Business Ethics
  • KMU in Veränderung – Diagnose und Förderung der strategischen Veränderungsfähigkeit von kleinen und mittelständischen Unternehmen: FH-Prof.in Dr.in Christina Schweiger, Senior Forscherin Kompetenzteam Entrepreneurship / Bereichsleiterin Entrepreneurship, FH-Prof.in Dr.in Barbara Kump, Stadt Wien Stiftungsprofessur für Forschung im Bereich Organisationsentwicklung und lernende Organisation

Universität Wien

  • Wie ÖsterreicherInnen gemacht werden: Zur diskursiven Konstruktion österreichischer Identität/en: o. Univ.-Prof.in i.R. Dr.in Ruth Wodak, Dr. Markus Rheindorf, A.o. Univ. Prof. Mag. Dr. Rudolf de Cillia, Sabine Lehner, BA MA, Institut für Sprachwissenschaft
  • Grüne städtische Gemeingüter: Univ.-Prof. Dr. Ulrich Brand, Mag.a Isabelle Schützenberger, BSc, Dr. Andrea*s Exner, Institut für Politikwissenschaft

FH Technikum

  • Auge und Lunge – Künstliche Organmodelle im Labor: Dipl.-Ing. Lukas Traxler, BSc, Institut Biomedical, Health and Sports Engineering
  • Aufbau eines europäischen Smart City Netzwerks: Darya Bululukova, MSc, Institut Information Engineering & Security

Veranstaltung der VHS Wien in Kooperation mit dem Postgraduate Center Universität Wien, sowie MedUni Wien, TU Wien, FH Campus Wien, FHWien der WKW, FH Technikum

Die Stadt frisst ihre Äcker – Beitrag im Presse-Spectrum

Peter A. Krobath, Sarah Kumnig und Andrea*s Exner haben in der aktuellen Beilage “Spectrum” der Tageszeitung “Die Presse” einen Artikel zur Situation der städtischen Landwirtschaft und des urbanen Gartenbaus in Wien veröffentlicht.

Link zum Artikel hier.

Einleitung:

Wir brauchen städtische Landwirtschaft für Nahversorgung wie für ökologische Ziele. Doch die Produktion von Gemüse wird in Wien zunehmend durch eine PR-Produktion von Gemüsegartenbildern abgelöst. Über Urban Gardening, Donaufeld, Haschahof – und darüber, was das eine mit den anderen zu tun hat.

Veranstaltung, Berlin, 3.8.: “Früchte & Widersprüche urbaner Gärten”

Mittwoch 3. August, 19:00 – 21:00 Uhr
In der Laube in den Prinzessinnengärten

Urbane Gärten handeln ökologisch, entwickeln alternative Ökonomien und fördern das nachbarschaftliche Miteinander. Gleichzeitig finden sich Bilder von urbanen Gärten in zahllosen Marketing- und Tourismuskampagnen oder auch in Anzeigen von Immobilienentwicklern. Inzwischen bauen selbst Kohlekraftswerksbetreiber, globale Textilunternehmen und Autohersteller „Gemeinschaftsgärten“.

“In dem Moment wo alle sagen `wir lieben es´ sollte man merken, dass da etwas faul ist”

Solche Vereinnahmungsversuche waren Anlass für das Manifest Die Stadt ist unser Garten. Darin wenden sich 140 Initiativen gegen jede Kommerzialisierung und machen deutlich, dass sie aus Gründen den Spaten in die Hand nehmen, die mit Trends und Lifestyle nur wenig zu tun haben. Wie passt dieses soziale und ökologische Engagement mit Marketingkampagnen und Aufwertungsprozessen zusammen? Wo stoßen die Gärten als Experimentierräume für ein gutes Leben an ihre Grenzen?

Die Gartenaktivist*innen und Forscher*innen Severin Halder (Allmende-Kontor/ FU Berlin), Alexander Follmann (Neuland Köln/ Uni Köln), Ella von der Haide (Eine andere Welt ist pflanzbar!/ Uni Kassel) und Marco Clausen (Prinzessinnengärten) laden in die Nachbarschaftsakademie ein, um sich mit allen Interessierten konstruktiv zu den Widersprüchen und Möglichkeiten von urbanen Gärten auszutauschen. Mehr hier

Conference Contribution: “Urban Gardening and Collective Agriculture in Vienna – Citizen Participation as Neoliberal Strategy?”

At the third ISA Forum of Sociology in Vienna, that took place from 10th to 14th of July, S. Kumnig and A. Exner made a presentation of some results of our ongoing research on urban agriculture in Vienna. Our contribution incited inspiring comments and some debate, and links to other research presented at our panel were apparent.

This was the abstract:

In Vienna, participation strategies are a prominent part of neoliberal urban development processes, widely applied by government and administration. Participation is typically organized by semi-state organizations in the form of public-private-partnerships where the city administration sets the framework conditions, guidelines and goals. Urban Gardening is one of the most visible areas, where participation is used as a technology to govern the neoliberal city.

In this presentation, we ask how decision making is shaped within such processes using a Foucauldian approach. Based on participant observation and interviews with community garden and collective agriculture activists, as well as members of the city administration, planning institutions and semi-state organizations, we analyze government technologies relevant in this regard. We distinguish three basic levels of corridorization of such initiatives: (1) definition of the field of possibility through city plans and development guidelines, (2) exclusion of incompatible initiatives by repression and juridical means, (3) activation of individuals as creative subjects.

Participation serves different functions according to the development tasks as defined by government: (1) to transfer knowledge about local identity formation to support the branding of new city areas, (2) to increase acceptance of top down-planning by communicating planning rationalities and by offering limited options for co-design, (3) to functionalize people for processes of the culturalization of the city, (4) to create an image of a permeable state acting to fulfill the needs of citizens. These functions are altered by dynamics of reinterpretation, appropriation and resistance of subjects.

We conclude that (1) participation primarily serves a technology to govern within a neoliberal urban development (e.g. positioning Vienna within the international city competition), that (2) this attempt has to deal with non-intended social dynamics, which (3) nevertheless do not reach a level of impact able to significantly influence neoliberal agenda setting.

Haschahof besetzt – Wohnfonds droht mit Räumung

[via Stadtfrucht]

DSC_2498Heute am späten Vormittag fanden diverse Medienleute und Politikerinnen ein Mail mit dem Betreff „Haschahof ist besetzt!“ im digitalen Briefkasten. Wer die Aussendung öffnete, erfuhr folgendes: „Seit Ende 2015 ist EVORA im Haschahof, um den mutwilligen Verfall der Objekte und die Versiegelung der seit Jahrzehnten biologisch bewirtschafteten Ackerflächen entgegenzuwirken. Immer wieder wird versucht, bei Gebäuden die entweder der Stadtpolitik im Wege stehen oder der Spekulation dienen, durch kleine Manipulationen, wie das Entfernen von einzelnen Dachziegeln, oder das Aushängen von Türen und Fenstern, die Bausubstanz zu zerstören, um einen Abriss zu legimitieren.“
Wer sich die Gebäude des Haschahofs vor Ort anschaut, muss den Besetzerinnen recht geben. Der Gründerzeithof mit rund zehn Gebäuden ist generell in einem gut erhaltenen Zustand, doch da und dort finden sich Beschädigungen, die bewusst herbeigeführt scheinen. Zum Beispiel herausgerissene Trafokästen und heruntergeschlagene Armaturen. Oder die von der Gruppe angesprochenen Löcher im Dach, nicht viele, aber merkwürdige. Denn welcher Wirbelsturm geht so gezielt vor, dass er sich auf einem viele Hunderte Quadratmeter großen Dach (wie dem über den schönen alten Schnittböden) nur eine Stelle aussucht und dann ausgerechnet die über der Holzstiege. – „Wir haben einen Freund, der ist Dachdecker, der will das in den nächsten Tagen reparieren“, sagt ein Besetzer.
Schnitt 01003717

Der Wohnfonds Wien, seit sieben Monaten Eigentümer, kann sich also glücklich schätzen, dass sich endlich jemand um die Instandhaltung des Haschahofs kümmert, die Wohnbaustadtrat Ludwig unlängst mit 75.000 Euro im Jahr bezifferte. – Möchte mensch meinen.

Aber der Wohnfonds Wien tickt etwas anders. Schon am Nachmittag schickte er die Polizei mit drei Wannen (Gruppenkraftwagen) vorbei. Etwas voreilig, denn den Beamten fehlte ein richterlicher Räumungsbescheid. Nichtdestotrotz droht den selbstermächtigten Haschahof-Hüterinnen weiterhin der Rauswurf. Oder doch nicht?
Will der Wohnfonds hier wirklich ein Verhalten fortsetzen, das ihm im Fall Haschahof schon genügend negative Schlagzeilen einbrachte?
Denn wider der im STEP25 (Stadterweiterungsplan) beschworenen „sanften Stadterweiterung“ ist die Stadt im „Zielgebiet“ Rothneusiedl bisher eher grob fahrlässig vorgegangen.
Zur Erinnerung:DSC_0466
Am 15. Juli 2015 wurde der Kaufvertrag zwischen der Herfelder’schen Familienstiftung und dem Wohnfonds Wien unterzeichnet. Für 57,6 Millionen Euro wechselten in Rothneusiedl rund 45 Hektar Boden und ein Gutshof die Besitzerin.
Dummerweise hatte man bereits im ersten Schritt dieses sogenannten Stadtentwicklungsprozesses nur die Entwicklung der Geldsummen im Auge und ganz die Menschen übersehen, die Teile dieses Areals nutzten: Die Tausenden Gärtnerinnen, die sich hier im Rahmen des Selbsternteprojekts Haschahof seit 28 Jahren biologisch nahversorgten.
Weder wurde ihnen gesagt, warum der Betrieb plötzlich zusperrte, noch bemühte man sich nach Abschluss der Kaufverhandlungen um einen Neubeginn. Die Bürgerinnen wurden von der Stadt mit Floskeln aus dem Wording-Baukasten abgespeist („Wir können Ihnen versichern, dass wir Ihre Sorge ernst nehmen und diese auch in gewisser Weise nachvollziehen können“), und im Regen stehen gelassen.
Nicht nur das: Um einen noch deutlicheren Trennungsstrich zum Leben und zur Geschichte in diesem Stadtteil zu ziehen, wollte der Wohnfonds Wien sogar die Gebäude des idyllischen Gründerzeithofs abreißen lassen, was in letzter Minute verhindert werden konnte.
(Nachzulesen hier:
ABRISS HASCHAHOF – Wohnfonds Wien vernichtet ein Stück Stadtgeschichte – Ein Hilferuf
und da:
HASCHAHOF – 1 Video & 1 Antwort & 1 Rettung
und dort:
https://stadtfruchtwien.wordpress.com/2016/01/16/haschahof-medienspiegel-und-stimmen/ )
Übrigens: Falls die Baumaschinen aufgefahren wären, hätte es im Hintergrund einige Menschen gegeben, die bereit waren, den idyllischen Hof mit dem Einsatz ihrer Körper zu schützen. Unter ihnen die, die nun damit beginnen, den Hof wieder mit Leben zu füllen und sich um seinen Erhalt zu kümmern.DSC_2451

 

Stadtfrucht bloggt: “ABRISS HASCHAHOF – Wohnfonds Wien vernichtet ein Stück Stadtgeschichte – Ein Hilferuf”

[via stadtfrucht]

Das Jahr beginnt schlecht: Der Haschahof, ein historisch einzigartiges Dokument für die landwirtschaftliche Nutzung in Wien, soll abgerissen werden.

So schreibt die Initiative Stadtfrucht in ihrem neuesten Blog-Beitrag

DSC_2333Ein Jahr lang stand der schöne Gründerzeit-Hof am südlichen Grüngürtel der Stadt leer. Nicht ganz. Ende November 2015 informierte mich ein wohnungsloser junger Mann, der sich dort einquartiert hatte, von seinem Rauswurf. Die Begründung, die man ihm nannte: Abriss. Ein Anruf bei der Bauinspektion bestätigte es: Seit 30. November gibt es für das schützenswerte Ensemble von zehn Gebäuden in der Rosiwalgasse 39 – 43 eine Abrissbewilligung. Beantragt vom neuen Besitzer, dem Wohnfonds Wien. Seit 11. Jänner 2016 hängt das Transparent der Abbruchfirma Mayer&Co auf einem Absperrgitter.
Ohne öffentliche Diskussion, und sogar ohne interne Diskussion will hier Stadtrat Ludwig, der Präsident des Wohnfonds, ein Stück Stadtgeschichte vernichten. Nicht einmal seine Parteikolleg_innen in Favoriten wussten Bescheid.haschahof1
Will er für die Investoren eines neuen Stadtteils jenen Zustand herstellen, der ihnen am liebsten ist: eine völlig bestandlose, gesichtslose Fläche? Ein Fläche mit Reißbrett-Flair? Oder will er vor allem den emotionalen Bezug zerstören, den Tausende Menschen in Wien zu diesem Hof und seinen Feldern haben, da hier von 1987 bis 2014, also beinahe drei Jahrzehnte lang, das größte Selbsternte-Projekt Wiens betrieben wurde?

Weiterlesen hier.

Petition für den Erhalt hier.